Wir wollen Bildung für alle! – Schulbildung in Deutschland muss endlich aufgewertet werden!

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2010 vom 08. bis zum 09. Mai 2010 in Konstanz


Bildung ist ein wertvolles Gut. Sie ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen und individuellen Ausbildung emanzipierter und selbstbestimmter Menschen und wichtiger Garant für das im Grundgesetz verankerte Recht auf Selbstentfaltung. Deswegen hat Bildung den Rang eines Grundrechts und muss durch den Staat in entsprechender Weise, bedarfsdeckend für jeden Menschen, angeboten werden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass dieses Gut in höchstem Maße bewahrt und gefördert wird. Im deutschen Bildungssystem sehen wir verschiedene Mängel, die sich in folgende drei Kernproblemen gliedern lassen.


Kernproblem 1':
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Zu wenig Geld wird in die Bildung gesteckt. Beispiele: Lehrmittelknappheit; Lehrmittelfreiheit wird in vielen Bereichen gebrochen; LehrerInnenmangel (zu große Klassen, Stundenausfälle, begrenztes Kursangebot in der Oberstufe).

Wir fordern:
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Die Umverteilung des Staatshaushalts zugunsten der Bildung!
- Gelder aus Verteidigungs- und Rüstungspolitik können abgezogen und an die Länder verteilt werden. Die Art und Weise dieser Aufteilung obliegt den zuständigen politischen Gremien.
- Beispiel: 410 Schützenpanzer „Puma“ geplant von 2010-2015 für 4,8 Milliarden Euro entsprechen 1655 Grundschulen à 200 SchülerInnen (je 2,9 Millionen Euro) [vgl. „isw graphik bb“].
- Einführung von einkommensabhängigen Progressivsteuern.
- Höhere Erbschaftssteuern.
- Gründen von Stiftungen an Schulen durch Eltern, Ehemalige und die SMVen. Hierzu müssen Schulungs- und Informationsveranstaltungen durch die Regierungspräsidien stattfinden. Die Schulstiftungen fördern direkt den Haushalt und das Arbeitsprogramm ihrer Schulen, wobei der Stiftungsvorsitz wie die Zusammensetzung einer Schulkonferenz gestaltet sein sollte.


Kernproblem 2'
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Die Umstellung von G9 auf G8 folgte dem Wunsch der Wirtschaft, schneller und mehr AbsolventInnen auf den Arbeitsmarkt zu bringen, völlig ungeachtet der pädagogischen Auswirkungen. In Baden-Württemberg wie in vielen anderen Bundesländern stehen die SchülerInnen schon ab der fünften Klasse unter erheblichem Zeit- und Leistungsdruck – ohne dass die Wirtschaft spürbar davon profitieren wird. Zudem bleibt weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten wie Mitgliedschaft in einem Sportverein, und auch ein Aufstieg von der Realschule ins Gymnasium wird sehr erschwert.

Wir fordern:
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Die G8-Umstellung muss rückgängig gemacht werden!
- G9 hat sich bewährt und muss wieder zur Regel werden.
- Im Kern der Lehrplanansetzung sollte die angemessene Belastung der SchülerInnen stehen.
- Blockunterricht in der Mittelstufe kann die Lernabläufe verbessern (man kann sich besser in ein Thema hineindenken).


Kernproblem 3':
Es scheint das Denken vorzuherrschen, dass SchulabgängerInnen ohne Abitur in der Gesellschaft kaum bestehen werden. Beispiele: Teilweise 70 Prozent der GrundschulabgängerInnen gehen auf das Gymnasium (siehe Meersburg), Menschen mit Haupt- und Realschulabschluss haben wenige Chancen auf einen akzeptablen Arbeitsplatz, weil in unserer Gesellschaft Haupt- und Realschulen nicht ausreichend anerkannt sind. Hauptschulen werden in der Bevölkerung teilweise als Abstellgleis für schwache SchülerInnen gesehen.

Wir fordern:
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Aufwertung der Haupt- und Realschulen, solange keine einheitliche Gesamtschule durchgesetzt ist!
- Aufwertung von Mittlerer Reife und insbesondere des Hauptschulabschlusses. Dies ist Sache der betreffenden Fachgremien der Politik.
- Aufzeigen von Vorteilen der beiden Abschlüsse: praxisorientiert, berufsnah, schnellerer Einstieg ins Berufs- und Arbeitsleben
- Angemessene Würdigung der besonders anspruchsvollen Aufgaben von Haupt- und RealschullehrerInnen durch Reform der Besoldung.
- Starke personelle Aufstockung für Haupt- und Realschulen, um den besonderen Ansprüchen und Problemen der SchülerInnen gerecht zu werden.
- Ganztagesbetrieb an Haupt- und Realschulen mit integrierter kostenlosen Verpflegung und intensiver Hausaufgabenbetreuung und einem breiten Angebot von AGs, die auch Felder wie Kultur und Politik abdecken.
- Gezielte Sprachförderung und individuelle Unterstützung.
- Mehr SchulsozialarbeiterInnen.
- Gezielte Förderung sozial schwacher Familien und ihrer Kinder.

Wir denken, dass durch Umsetzung dieser Vorschläge Deutschlands Schulsystem einerseits sozial gerechter, andererseits auf die wirtschaftlichen Anforderungen der Zukunft besser vorbereitet wird.