Weil Klatschen nicht genug ist - Unsere Lehren aus der Coronakrise

Aus SPD Baden-Württemberg
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Seit dem Bundestagswahlkampf 2017 reden wir drüber, die große Reform in der Pflege ist jedoch bis jetzt ausgeblieben.

Wir wollen die Zukunft der Pflege gestalten und die öffentliche Daseinsvorsorge ausbauen und fordern deshalb...


1. Ein sinnvolles Personalbemessungsinstrument statt Pflegepersonaluntergrenzen

2019 traten in vier ausgewählten Bereichen der Krankenhäuser Pflegepersonaluntergrenzen in Kraft. Dieses an sich gut gemeinte Instrument, welches bis zum Beginn der Corona Krise eingesetzt wurde, brachte leider nicht den gewünschten Erfolg. Eine DBfK-Online-Umfrage zeigt, dass die Umsetzung des PpUG bislang zu mehr negativen als positiven Effekten geführt habe. Sie verursache vor allem einen gestiegenen Dokumentationsaufwand und Personalverschiebungen.

Die DKG, der Deutsche Pflegerat und ver.di haben Anfang des Jahres ein Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument vorgestellt. Bei dem sog. PPR 2.0 werden Patient*innen täglich in verschiedene Leistungsstufen eingeteilt. Jeder Stufe ist ein Minutenwert zugeordnet. Hinzu kommen Grund- und Fallwerte als Basis. In der Summe ergibt sich so ein Zeitwert pro Patient*in, der den Pflegepersonalbedarf abbildet. Der zusammengefasste Wert aller Patient*innen ergibt den Pflegepersonalbedarf des Hauses.

Durch dieses PPR 2.0 soll Pflegepersonal zielgerichtet eingesetzt und hohe Qualität gesichert werden.

Wir fordern daher, dass das PPR 2.0 schnellstmöglich für alle Pflegeeinrichtungen eingeführt wird und damit die bestehenden Pflegepersonaluntergrenzen ersetzt.


2. Ein richtiges Arbeitszeitengesetz:

Das aktuelle Arbeitszeitgesetz lässt viel Interpretationsspielraum für Arbeitszeitüberschreitungen, Überstunden und aufeinanderfolgende Dienste offen.

Wir fordern deshalb den 8-Stunden-Tag und die 35-Stunden-Woche für die Pflege, beziehungsweise die 40-h-Woche für die Intensivpflege.

12-Stunden-Schichten sind für Personal wie auch für Patienten eine Belastung und führen zu Überarbeitung, Fehlern und dadurch zu prekären Situationen, die sowohl eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit des Patienten, als auch des Pflegenden darstellen können, weshalb sie abgeschafft werden müssen.

Dienste von Pflegepersonal sollen nur noch maximal 7 Tage am Stück gehen. Um eine Auszeit und ein familiengerechtes Berufsfeld gewährleisten zu können braucht es außerdem mindestens 26 freie Wochenenden im Jahr.


3. Endlich einen flächendeckenden Tarifvertrag:

Aktuell gibt es für den Pflegebereich keinen flächendeckenden Tarifvertrag, der Mindestlohn beträgt für alle Berufsqualifikationen 11,35€.

Wir fordern einen abgestuften Mindestlohn nach Qualifikation von 20,00€ für 3-jährig examinierte Fachkräfte, 17,50€ für 1-jährig examinierte Fachkräfte und 15€ für ungelernte Pflegehelfer

Damit wollen wir Anreize setzen, die 3-jährige Ausbildung oder überhaupt eine Ausbildung zu absolvieren um somit die Profession der Pflegeberufe voranzutreiben und dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzutreten.

Die Lohnsteigerung muss dem Einsatz ALLER Pflegekräfte Rechnung tragen und - nicht wie bei der Coronaprämie - einen Keil zwischen die Professionen treiben, indem sie Krankenpflegekräfte mit einem feuchten Händedruck abfertigt.

Wir brauchen langfristige Veränderungen! Dem muss auch Rechnung getragen werden, dass Pflegekräfte immer wieder neuen Gefahren wie MRSA, SARS und CoVid 19 unter Einsatz der eigenen Gesundheit entgegen treten.

Außerdem muss dem gestiegenen fachlichen Anspruch Sorge getragen werden. Immer regelmäßiger übernehmen, besonders ambulante Pflegedienste, die postoperative Versorgung von Klienten und führen immer komplexere Behandlungen durch. Das steigert nicht nur den Anspruch, sondern belastet die sowieso schon psychisch stark geforderten Pflegekräfte zusätzlich. Mehr als ein Drittel des Pflegepersonals gilt als dauerhaft Burn-Out-gefährdet, viele können erst mit Beginn der dritten Urlaubswoche richtig abschalten, so sehr sind sie in ihrem Beruf verhaftet. Daher fordern wir mindestens 30 Werktage Urlaub bei einer 5-Tage-Woche. Der*Die Arbeitnehmer*in hat das Recht, einmalig im Jahr einen dreiwöchigen Urlaub zu verlangen.