Unvereinbarkeit von studentischen Corporationen und sozialdemokratischen Grundwerten (Juso-Hochschulgruppe)

Aus SPD Baden-Württemberg
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Landesparteitag 14.Februar 2009 in Singen




Antragsteller: Juso-Hochschulgruppe

Empfänger: Landesparteitag, Bundesparteitag


Der Landesparteitag hat beschlossen:


Die Diskussion um studentische Corporationen an den Hochschulen ist immer noch lebendig und notwendig. Die SPD Baden-Württemberg wird weiterhin kritisch zur Rolle studentische Corporationen arbeiten und vor Ort über das Gesellschaftsbild studentische 5 Corporationen aufklären. Die Prinzipien, denen Corporationen folgen sind sehr unterschiedlich, folgen aber häufig folgenden Grundprinzipien:


Eliteförderung und Seilschaften:

Corporationen vertreten das Ziel ihre Mitglieder in hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Positionen zu bringen und führen so zu einer Reproduktion gesellschaftliche Eliten. Ältere Verbindungsmitglieder, die in hohe Positionen gelangt sind, sollen die ihnen Nachwachsenden protegieren und ebenfalls in höhere Positionen hieven. Dies wird massiv dazu eingesetzt, um neue Mitglieder zu gewinnen und hat einen maßgeblichen Anteil an der Attrakivität von Corporationen. Diese Auffassung steht aber in eindeutiger Konkurrenz zu einer freien demokratischen Gesellschaft und einer Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Diese Auffassung konterkariert jede Bestrebung einer Demokratisierung der Gesellschaft.


Ungleichbehandlung:

Frauen oder Männer werden oft in Corporationen wegen ihres Geschlechts strukturell benachteiligt, oder die Corporationen pflegen ein Frauenbild, welches unserem emanzipativen Weltbild entgegensteht. Für viele Corporationen sind rassistische Kriterien, Nationalität, sexuelle Orientierung, Religion oder die Wehrdienstverweigerung Ausschlusskriterien für eine Aufnahme.


Undemokratische Struktur:

Viele Corporationen sind in ihrer inneren Struktur in den meisten Fällen straff vertikal organisiert, wobei Entscheidungsfindungen von oben nach unten ablaufen. Dies steht dem Ziel einer freien, gleichen und solidarischen Gesellschaft entgegen.


Geschichtsrevisionismus:

Corporationen treten oft geschichtsrevisionistisch auf. Insbesondere die in der Deutschen Burschenschaft organisierten Corporationen definieren die deutsche Nation als unabhängig von ihren staatlichen Grenzen und erheben gebietsrevanchistische Ansprüche.


Brauchtum:

Der Anspruch vieler Corporationen, durch Brauchtum rituelle Wertvorstellungen zu tradieren und auf diese Weise ihre Mitglieder einer unterschwelligen Form der Erziehung zu unterziehen, kann mit „Befehl und Gehorsam“ überschrieben werden. Mit Hilfe des Brauchtums soll die Individualität des/der Einzelnen untergraben werden. Das Ziel ist die „Gemeinschaft“.