Sensibilisierungsoffensive gegen sexuelle Gewalt

Aus SPD Baden-Württemberg
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Die Weltgesundheitsorganisation geht für Deutschland von einer Millionen betroffener Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder erleben. Das sind pro Schulklasse vier bis fünf betroffene Kinder. Jede siebte Frau ist seit ihrem 16. Lebensjahr in irgendeiner Form von sexualisierter Gewalt betroffen. Nur 5% der Taten werden angezeigt, die Verurteilungsquote bei Vergewaltigungsfällen liegt bei lediglich 13%. Diese Zahlen zeigen, dass sexuelle Gewalt in Deutschland als gesamtgesellschaftliches Problem anerkannt werden muss und angemessene Opferschutzmaßnahmen notwendig sind. Wir wollen diesen Zustand nicht hinnehmen und durch Sensibilisierung reagieren. In diesem Sinne muss eine Aufklärung in der Bevölkerung stattfinden. Die angenommene Dunkelziffer sexueller Gewaltdelikte liegt deutlich über den angezeigten Straftaten. Zu dieser Tatsache kommt es aus verschiedenen Gründen - unter anderem schlicht deswegen, weil Betroffene von sexueller Gewalt nicht ausreichend über das Vorhandensein von Anlaufstellen informiert sind und mit Stigmatisierung zu kämpfen haben. Deswegen fordern wir eine umfassende, staatlich geförderte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Schwellen für Opfer, Hilfsstellen anzulaufen, herabzusetzen. Zudem zeigen sich systematische Schwachstellen im Prozess, der auf eine Anzeige wegen sexueller Gewalt folgt. Den am Ermittlungs- und Strafverfahren beteiligten Berufsgruppen kann das spezifische Wissen im Umgang mit traumatisierten Personen fehlen, um adäquat die Situation einschätzen zu können. Die von sexueller Gewalt Betroffenen laufen daher Gefahr, nach einer Anzeige sekundär viktimisiert oder re-traumatisiert zu werden. Deswegen fordern wir verpflichtende Kurse und Fortbildungen für Polizist*innen, Staatsanwält*innen, Strafverteidiger*innen und Richter*innen, die mit Opfern sexueller Gewalt in Berührung kommen. Diese Kurse sollen Themen wir Opferschutz, sowie die Auswirkungen und Folgen von Traumata behandeln. Darüber hinaus muss ein rechtlicher Anspruch auf professionelle psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren für die Opfer bestehen.