Schule als sozialer Lebensraum)

Aus SPD Baden-Württemberg
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Schule als sozialer Lebensraum

Für uns Jusos Baden-Württemberg ist klar, dass Bildungspolitik mehr leisten muss als das Erreichen von Schulabschlüssen. Gute Bildungspolitik heißt für uns, dass junge Menschen gemäß ihrer Begabungen gefördert werden, sie zu mündigen und kritisch reflektierenden Bürgerinnen und Bürgern werden und gleichzeitig der Lebensraum Schule nicht nur durch vermitteln von Lerninhalten gekennzeichnet sein darf.

Schulsozialarbeit – Jetzt dranbleiben!

Die Ankündigung unseres Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid, die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel zur Verbesserung der Bildungspolitik auch eins zu eins dorthin weitergeben zu wollen, findet unsere volle Unterstützung und bestärkt uns in unserem Kampf für eine gut finanzierte Bildungslandschaft.

Ein wichtiges Themenfeld, das in den 58 Jahren CDU-Herrschaft sträflich vernachlässigt wurde, ist die Schulsozialarbeit. Die grün-rote Landesregierung hat hier erste Schritte in die richtige Richtung unternommen. Die Anzahl der SchulsozialarbeiterInnen wurde durch den Wiedereinstieg der Landesregierung in die Drittelfinanzierung der Schulsozalarbeit massiv erhöht, die Verträge mit den Beschäftigten unbefristet verlängert. Dieser personelle und inhaltliche Ausbau der Schulsozialarbeit muss weiter geführt werden, indem weitere Mittel zur Finanzierung bereitgestellt werden, sodass eine flächendeckende Schulsozialarbeit gewährleistet werden kann. Lehrerinnen und Lehrer sind in einer zunehmend heterogenen Schülerschaft auf die Unterstützung speziell ausgebildeter Fachkräfte angewiesen, die sich den extracurricularen Problemen von Schülerinnen und Schülern annehmen können. Von ihrer Hilfe profitieren nicht nur die einzelnen Schülerinnen und Schüler, sondern auch das Klassen- und somit das Lernklima. Die SPD muss hier weiterhin ein klares Bekenntnis zur Schulsozialarbeit abgeben und klarmachen, dass der personelle Ausbau zu einem großen Anteil durch Landesmittel gestemmt wird.

Inklusion – Eine Schule für alle!

Inklusion ist der Schlüssel zu einem solidarischen Miteinander in der Gesellschaft. Als Jusos kämpfen wir seit jeher für die Gleichberechtigung aller Menschen, gerade auch für Menschen mit Beeinträchtigungen. Nur wenn Kinder bereits in der Schule erkennen, dass alle Menschen gleich einzigartig und wertvoll sind, können sie diese sozialen Kompetenzen auch entwickeln.

Das Thema ist derzeit aktueller denn je. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass eine lückenlose Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung in die Regelschulen viele Schulen an ihre Grenzen bringt. Sowohl bei der inhaltlichen und personellen Betreuung, als auch bei der benötigten Ausstattung, ist es noch ein weiter Weg. Die in diesem Bereich defizitäre Situation wird aktuell noch durch ein Sonderschulsystem aufgefangen. Dort arbeiten speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die sich den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler im Einzelnen annehmen können. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Erhalt der eigenständigen Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für den Sonderschulbereich sowie die Ergänzung durch sonderpädagogische Inhalte bei den anderen Schularten durch die Landesregierung. Nichtsdestoweniger muss der Inklusionsprozess in den sogenannten Regelschulen weitergehen und verstärkt werden. Den Schulen müssen hierfür die notwendigen personellen und infrastrukturellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Inklusive Klassen müssen nach dem Zwei-Lehrkräfte-Prinzip unterrichtet werden können.

Des Weiteren sollen für alle Lehrkräfte verpflichtende Fortbildungen organisiert werden, in denen diesen die entsprechenden Kompetenzen vermittelt werden. Zudem müssen je nach Bedarf zusätzliche Schulbegleiter eingestellt werden, um eine bessere Inklusion in die Regelschule zu ermöglichen. Wir fordern, dass der Übergang für Menschen mit Beeinträchtigungen auf die Regelschule zum Normalfall wird. Eine inklusive Beschulung darf keine Ausnahme mehr darstellen. Dafür sind die entsprechenden Mittel vom Land freizugeben. In begründeten Fällen möchten wir Schüler*innen jedoch die Möglichkeit offen lassen, auch eine Sonderschule zu besuchen. Dies soll aber die Ausnahme von der Regel sein. Menschen mit Beeinträchtigungen gehören zu unserer Gesellschaft dazu und bereichern diese. Das muss sich im regulären Schulalltag zeigen.

Bei der Entscheidungsfindung, welche Schulform gewählt wird, ob Regel- oder Sonderschule, muss immer das Wohl aller Beteiligten im Mittelpunkt stehen. Eine Entscheidung muss im Einzelfall getroffen und darf gesetzlich nicht pauschal festgeschrieben werden. Ist eine Regelschule für die Aufnahme behinderter Kinder noch nicht ausgestattet, darf diese nicht dazu gezwungen werden.

Demokratisierung – denn Beteiligung lernt man in der Schule!

Als Jusos begrüßen wir die Einführung der Drittelparität in der Schulkonferenz durch die Landesregierung. Diese sichert mehr Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten durch die Schülerinnen und Schüler. Doch dies kann nicht der letzte Schritt gewesen sein. Wir fordern weiter einen festen Etat für die Schülermitverantwortungen (SMV), über den diese eigenverantwortlich verfügen kann. Damit einher geht auch eine verbesserte Unterstützung von Schülerinitiativen oder Schülerzeitungen. Die Schulen müssen die Anliegen der Schülerschaft ernst nehmen und dieser eine Plattform bieten, ihre Anliegen vorzutragen. SMVen, die lediglich als Alibi-Organ für wirkliche Beteiligungsrechte von Schülerinnen und Schülern fungieren, müssen der Vergangenheit angehören. Hierzu sind auch im Schulgesetz entsprechend Fakten zu schaffen. Wir wollen die SchülerInnen mit Verantwortung zu einer echten SchülerInnenvertretung machen.


Integration – Für die Schulen des 21. Jahrhunderts!

Die Schulen in Baden-Württemberg werden bunter – und das ist auch gut so. Die aktuelle Debatte um den Bildungsplan zeigt, dass Jusos, SPD und Landesregierung weiterhin Hand in Hand für ein tolerantes und weltoffenes Baden-Württemberg – auch, oder gerade in der Schule – kämpfen müssen. Wir verurteilen in diesem Zusammenhang das Vorgehen von CDU und FDP, die sich mit ihren Grußworten bei den Demonstrationen gegen den neuen Bildungsplan, auf die Seite der Ewiggestrigen gestellt haben. Wir fordern ein klares Bekenntnis zur Umsetzung des Bildungsplans 2015.

Abseits unseres Engagements für einen modernen Bildungsplan fordern wir Jusos gezielte Sprachförderkurse für Kinder mit Sprachproblemen, welche unabhängig von vorhandenem eventuellen Migrationshintergrund auftreten. Diese sollen bereits im Vorschulalter zur Verfügung stehen und wo nötig im Grundschulalter fortgesetzt werden. Doch sollen die Schülerinnen und Schüler damit nicht ihre kulturellen und sprachlichen Wurzeln vergessen. Vielmehr fordern wir, wenn ausreichender Bedarf besteht, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Muttersprache als Wahlfach weiter vertiefen können. Diesbezüglich halten wir auch unsere Forderung nach mehr Lehrerinnen und Lehrern mit Migrationshintergrund aufrecht.

Unser Ziel – Schule als sozialer Lebensraum

Nach mehr als der Hälfte der Legislaturperiode können wir mit den Entwicklungen der Bildungspolitik in Baden-Württemberg zufrieden sein. Die Abschaffung der Grundschulempfehlung, die Einführung der Gemeinschaftsschule und der Einstieg in ein inklusives Schulleben sind nur einige der Schritte, die klar in die von uns gewünschte Richtung zeigen. Jetzt gilt es unsere Schulen als sozialen Lebensraum zu gestalten, wo Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern sich auf Augenhöhe begegnen. Wir wissen, dass es gute Bildung, insbesondere in den Bereichen Inklusion und Schulsozialarbeit, aber auch beim Erhalt von LehrerInnenstellen nicht umsonst gibt. Unsere Vision von einer Schule als sozialem Lebensraum ist nur verwirklichbar, wenn entsprechende finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Daher werden wir weiter dafür kämpfen, dass auch in haushaltspolitischen Fragen, Bildungspolitik die oberste Priorität genießt.