Resolution: Prekäre Arbeitsverhältnisse eindämmen – Gute Arbeit fördern

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2008 vom 03. bis zum 04. Mai 2008 in Tuttlingen


Fehlende Ausbildungsplätze, endlose Praktika, schlecht bezahlte und befristete Beschäftigungsverhältnisse: Viele Jugendliche sehen sich nach dem Schulabschluss oder der Ausbildung mit diesen Problemen konfrontiert. Deshalb machen wir Jusos uns für eine Qualitätssicherung im dualen Ausbildungssystem, eine gesetzliche Reglementierung von Praktika und Leiharbeit sowie die Stärkung der betrieblichen Mitbestimmung stark.


Qualität und Angebot der Ausbildung sichern

Das duale Ausbildungssystem hat sich in Deutschland über Jahrzehnte hin bewährt. Dennoch werden gegenwärtig in einigen Branchen – wie in Teilen des Handwerks oder im Hotel- und Gastgewerbe – gravierende Qualitätsmängel in der Ausbildung deutlich. Diese gilt es zu beseitigen, um das duale System und die dreijährige Ausbildung zu stärken. Entwicklungen in Richtung „Schmalspurausbildung“ oder Modularisierung muss ein Riegel vorgeschoben werden. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung, die jungen Menschen Chancen für den beruflichen Aufstieg eröffnet, muss umfassende Kenntnisse in einem abgestimmten und schlüssigen Ausbildungsgang vermitteln.

Noch immer bekommen Jahr für Jahr tausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Aus- und Weiterbildung gehören zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen. Wer dieser nicht nachkommt, muss stärker in die Pflicht genommen werden.


Praktika und Leiharbeit gesetzlich reglementieren

PraktikantInnen sollen durch ihre Tätigkeit Erfahrungen sammeln, die sie aufs spätere Berufsleben vorbereiten sollen. Sie dürfen demnach keine regulär Beschäftigten ersetzen. Eine Höchstdauer von Praktika sowie eine gerechte Entlohnung müssen gesetzlich verankert wer-den. Dies gilt auch für Praktika, die von deutschen Organisationen und Unternehmen im Ausland angeboten werden.

Über eine halbe Millionen Menschen in Deutschland sind momentan in der Leiharbeitsbranche beschäftigt – Tendenz steigend. Leiharbeit ist ein legitimes Mittel für Unternehmen, auf Auftragsspitzen flexibel reagieren zu können. Zudem bietet sie Menschen die Chance, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Allerdings dürfen Leiharbeit und befristete Beschäftigung in Unternehmen nicht zur Regel werden, sondern müssen die Ausnahme bleiben. Nach dem Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ müssen Beschäftigte in der Leih- und Zeitarbeitsbranche vor Niedriglöhnen geschützt werden. Deshalb unterstützen wir die SPD in ihren Bestrebungen, einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, nachdrücklich.


Betriebliche Mitbestimmung ausbauen

Die betriebliche Mitbestimmung ist der Garant für ein positives Arbeitsklima, gute Arbeitsbedingungen und den Schutz der ArbeitnehmerInnenrechte in Betrieben. Gerade junge Beschäftigte fühlen sich in ihrem Arbeitsverhältnis aber zunehmend unwohl und unsicher – dies unterstreicht nicht zuletzt die letztjährige DGB-Jugendstudie. Ihre Interessen und Anliegen müssen in starken Jugendauszubildendenvertretungen und Betriebsräten gehört werden.