Reform von Fremdevaluationen an Schulen

Aus SPD Baden-Württemberg
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Reform von Fremdevaluationen an Schulen

Die Jusos Baden-Württemberg fordern eine Reform der Praxis der Fremdevaluation an Schulen in Baden-Württemberg. Wir wollen, dass Fremdevaluationen als Instrument zur Qualitätsicherung und -verbesserung einer Schule dienen können. Aus einer Reihe von Gründen ist die aktuelle Praxis der Fremdevaluation an Schulen dafür ungeignet. Um diesen Missstand zu beheben fordern wir die Umsetzung einer Reihe von Reformvorschlägen:

• Generell wünschen wir uns, dass Schulleitungen die Fremdevaluation nicht als Inspektion begreifen, bei der die Schule sich von ihrer besten Seite zeigen muss. Ziel der Fremdevaluation muss eine Analyse des Schulalltags sein, an deren Ende gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge stehen. Es handelt sich bei den Fremdevaluationen nicht um einen Test, den eine Schule möglichst gut zu bestehen hat, sondern um eine gute Chance durch die Hilfe von Expertinnen und Experten von außerhalb Schulklima und -alltag zu verbessern.

• Fremdevaluationen legen teilweise den Schulbetrieb lahm und sind aufgrund der Vorankündigung nur im Ansatz in der Lage den alltäglichen Schulbetrieb zu erfassen. Die Schulleitungen nutzen die Vorlaufzeit um die Schule herauszuputzen und alles dafür vorzubereiten, dass sie sich von ihrer besten Seite zeigt, eine wirkliche Erfassung des Schulalltags wird dadurch erschwert. Wir fordern daher, dass in den drei Wochen vor und nach dem bisherigen mehrtägigen Schulbesuch des Evaluationsteams unangekündigte stichprobenartige Unterrichtsbesuche von Evaluatoren stattfinden sollen. In die Entscheidung welcher Unterricht besucht wird, sollten die Ergebnisse der Schüler- und Elterninterviews verstärkt einbezogen werden. Dadurch soll dem Evaluationsteam die Möglichkeit gegeben werden, Einblick in den alltäglichen Betrieb zu nehmen.

• Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Interviews während des Evalutionsbesuchs muss geändert werden. Auch hier nimmt die Schulleitung teilweise massiven Einfluss in den Auswahlprozess und verfälscht durch den Versuch die Schule von der besten Seite zu zeigen massiv das Ergebnis der Evalution. Daher fordern wir, dass die Hälfte der interviewten LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen durch die Gesamtlehrerkonferenz, den Elternbeirat und den Schülerrat gewählt werden soll, während die andere Hälfte durch das Losverfahren aus Elternschaft, Schülerschaft und dem Lehrerkollegium ermittelt werden soll. Zudem fordern wir, dass mit so vielen Interviewten wie möglich auch Einzelgespräche geführt werden sollen, damit ihnen die Möglichkeit gegeben wird, ungestört über den Schulalltag zu berichten.

• Die bisherige Praxis der Präsentation der Evaluationsergebnisse ist unzureichend. Bislang wird das Ergebnis der Schulleitung vorgestellt, die anschließend die Informationen an die Schulkonferenz, den Schülerrat, die Gesamtlehrerkonferenz und den Elternbeirat weitergibt und erläutert. Auch hier lässt sich beobachten, wie die Schulleitungen die Gelegenheit nutzen um das Ergebnis der Evaluation möglichst positiv darzustellen, Verbesserungsvorschläge unter den Tisch fallen lassen und Kritik verschleiern. Wir wollen daher, dass die Evaluatoren die Ergebnisse an einer Vollversammlung aller Schulgremien präsentieren und diese diskutieren.

• Wir wollen, dass dem Evalutionsbericht ein klarer Vorschlagskatalog beigefügt wird, in dem Lösungsansätze für eventuell bestehende Missstände präsentiert wird. Eine schulinterne Gruppe aus Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen sollte im Anschluss an die Evaluation konkret einen Weg zur Umsetzung der Lösungsvorschläge erarbeiten. Ein Jahr nach der Evaluation sollten erneut zwei Mitglieder des Evalutionsteams an die Schule zurückkehren um abschließend die Implementierung der Maßnahmen zu bewerten.