Psychische Krankheiten an Schulen strukturiert begleiten und behandeln

Aus SPD Baden-Württemberg
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Die Jusos Baden-Württemberg betrachten die alarmierenden Fallzahlen psychischer Krankheiten an Schulen Baden-Württembergs mit großer Sorge. So wurde im Jahre 2017 bei zweiundzwanzig Prozent der zehn- bis siebzehnjährigen Schüler*Innen im Land eine psychische Krankheit oder Verhaltensstörung diagnostiziert. Die Dunkelziffer soll laut Deutscher Depressionshilfe bei etwa sieben Prozent liegen.Um diesem Missstand entgegenwirken und den Leidensdruck der Schüler*Innen auf ein Minimum reduzieren zu können, fordern wir Jusos einen Drei-Punkte-Plan zur strukturellen Bekämpfung psychischer Krankheiten an den Schulen Baden-Württembergs:

  1. Lehramtsstudierende sollen innerhalb ihres Studiums stärker für psychische Krankheiten sensibilisiert werden und Wissen vermittelt bekommen, wie sie diese bei ihren Schüler*Innen erkennen und damit fachgerecht umgehen können.Bei Lehrkräften, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben, soll diese Sensibilisierung in Form von verpflichtenden Seminaren stattfinden.Zu betonen ist, dass die Lehrer*Innen als Erkennungs- und Vermittlungspersonen fungieren sollen, selbstverständlich kann Fachpersonal dadurch nicht ersetzt werden. Aus diesem Grund fordern wir darüber hinaus mehr Stellen für Schulsozialarbeiter*Innen an allen Schulen in Baden-Württemberg. Um diese Rolle ausfüllen zu können, ist eine bessere und intensivere Ausbildung in Sachen psychischer Krankheiten und Verhaltensstörungen dringend notwendig.Zur fachlichen Beurteilung soll die Teilnahme von Schulpsycholog*innen“ regelmäßiger Bestandteil des Unterrichts sein. Lehrer*innen können nicht allein in der Verantwortung stehen, potenzielle psychische Krankheiten bei Schüler*innen zu erkennen.
  2. Neben den Lehrer*Innen sollen auch Schüler*Innen an verpflichtenden 2. Informationsveranstaltungen teilnehmen, die während der Schulzeit einmal im Jahr in allen Schulformen ab der vierten Klasse stattfinden. Bei diesen werden die Schüler*Innen, ebenso wie die Lehrer*Innen bei Seminaren, für psychische Krankheiten sensibilisiert, um die Stigmatisierung im Keim zu ersticken und Erkrankungen rechtzeitig erkennen zu können, sodass der Weg für eine Behandlung geebnet wird.Außerdem wird umfangreiches Informationsmaterial verteilt und liegt ganzjährig an der Schule aus. Hierdurch wird die Selbsterkennung einer möglichen psychischen Störung erleichtert, was oftmals einen effektiven Weg darstellt. Dies ist dem oftmaligen Rückzug psychisch kranker Menschen geschuldet und deshalb von Nöten.Für die Informationsveranstaltungen werden Expert*Innen an die Schule kommen. Jene Stellen im Land müssen dafür ausgebaut werden. Bei Kapazitätsgrenzen in der Übergangsphase sollen speziell dafür ausgebildete Lehrer*Innen an Schulen die Veranstaltungen leiten, wenn eine Flächenabdeckung mit Expert*Innen nicht gewährleistet ist.Damit Punkt (1) und (2) ihr Potenzial voll entfalten können, bedarf es eines zentralen
  1. Netzwerkes zur Unterstützung der Schüler*Innen bei der Bekämpfung möglicher psychischer Erkrankungen. Dieses Netzwerk in Form einer Website soll tiefergehende Informationsmaterialien beinhalten, vor allem aber eine anonyme Kontaktmöglichkeit bieten, sodass Schüler*Innen, aber auch Lehrer*Innen fachmännischen Rat von Psycholog*Innen über dieses Netzwerk bekommen können. Hierdurch werden die Schüler*Innen gestützt und ein möglicher Weg wird aufgezeigt, wie man einer emotionalen Krise entkommt. Betroffene erfahren, dass sie nicht allein mit ihrer Erkrankung sind und werden an die Hand genommen, sodass sie sich professionelle Hilfe außerhalb des Netzwerkes suchen können.Um schnelle Hilfe über das Netzwerk zu garantieren, müssen mehrere Stellen für (Schul-)Psycholog*Innen geschaffen werden.

Selbstverständlich stellt der Drei-Punkte-Plan keine vollumfängliche Strategie zur Bekämpfung psychischer Erkrankungen an Schulen dar, ist aber elementarer Bestandteil einer solchen Strategie und wirkt additional zu vorherigen Beschlüssen der Jusos.