Ohrenbetäubender Lärm im Ozean

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 04. November 2007


Ohrenbetäubender Lärm im Ozean

Die Infraschall-Laute eines Blauwals reichen bis 3.500 Kilometer weit. Das entspricht der Distanz Zürich-Bagdad. Nicht nur Wale, sondern auch Delfine und andere Meeresbewohner sind auf akustische Signale angewiesen zur Futtersuche, zur Orientierung oder auch um den Geschlechtspartner zu finden.

Doch vor allem in den Küstengewässern und entlang intensiv befahrener Schifffahrtswege herrscht ein ohrenbetäubender Lärm unter Wasser, der mit dem Lärm einer Autobahn vergleichbar ist. Doch richtig zu schaffen machen ihnen, neben dem Handels- und Freizeitschiffsverkehr, erst militärische Sonare und Öl- und Gasexplorationen. Die Lautstärke des Sonars beispielsweise ist so gewaltig, dass wir Menschen sie nicht aushalten würden. Sie ist vergleichbar mit dem Überschallknall eines Kampfjets. Es sind eigentliche Schallkanonen zum Aufspüren feindlicher U-Boote. Die Schallwellen werden reflektiert und geben Informationen über feindliche Objekte. Sie geben im Abstand von bis zu 28 Sekunden akustische Schüsse ab, die einen Schalldruck von 235 Dezibel abgeben. Im Vergleich dazu erzeugt ein Düsenjet bis zu 130 Dezibel, gemessen in 70 Metern Entfernung. Frü-her wurden dazu Passivsonare eingesetzt, die die Meere mit empfindlichen Hydrophonen absuchten. Militärs sagen, dass dies heute aufgrund der akustischen Meeresverschmutzung nutzlos sei.

Besonders die US Navy setzt diese ein. Zwar hat die Naturschutzorganisation NRDC (Natural Resources Defense Council) im letzten Jahr vor Gericht erreicht, dass die US Navy bei ihren Manövern keine Mittelfrequenz-Sonare mehr einsetzen darf. Das Gericht erkannte an, dass Sonare Wale schädigen und somit gegen das Gesetz zum Schutz von Meeressäugern verstoßen. Die Navy sah jedoch die nati-onale Sicherheit gefährdet und wehrte sich erfolgreich dagegen. Seit Januar darf sie mit einer Ausnahmebewilligung dieses Urteil umgehen.

Auch die zivile Seefahrt macht den Tieren zu schaffen: 90 Prozent der Welthandelsgüter werden mit Schiffen transportiert. Dazu kommen noch touristische Kreuzfahrtschiffe, sodass in den kommenden zwei Jahrzehnten mit einer Verdopplung des Verkehrs gerechnet wird.

Zudem kommen so genannte Airguns. Dies sind seismische Hochenergie-Sonare, die auf der Suche nach verborgenen Öl- und Gasvorkommen im Erdinneren einge-setzt werden. Sie schießen alle paar Sekunden Schalldruckwellen von bis zu 260 Dezibel durchs Wasser. Diese werden zurzeit beispielsweise im Schweinswalschutzgebiet „Doggerbank“ am Rand der deutschen Nordsee von der Firma Wintershall AG, einer Tochterfirma der BASF, eingesetzt. Seit Frühling schießt hier alle acht Sekunden ein Airgun einen Schuss ab. 24 Stunden am Tag. Umweltschutzverbände protestieren bislang erfolglos gegen diese, die Schweinswale gefährdende Unterwasserknallerei.

Angesichts dieses Meeresterrors fordern die Jusos, die Ausweitung von Meeresschutzgebieten. Zudem fordern wir, dass Marinen verpflichtet werden, vor dem Ein-satz von aktiven Sonaren die Manövergewässer mit passiv-akustischen Sonaren nach Meeressäugern abzusuchen. Außerdem müssen Handelsschiffe leiser werden indem man sie mit zwei Motoren und zwei Propellern ausrüstet.

Laut dem Züricher Seerecht-Dozenten Alexander von Ziegler verstößt der Seelärm gegen sieben völkerrechtliche Abkommen, allen voran gegen das UNO-Seerechtsabkommen. Das können wir so nicht hinnehmen!