Muttersprachlicher Zusatzunterricht

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 01. Juli 2007


Muttersprachlicher Zusatzunterricht

Die Jusos Baden-Württemberg fordern die Landesregierung auf, dem Rastatter Beschluss vom 27. November 2006 über die Änderung der Verwaltungsvorschrift „Unterricht für ausländische Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Baden-Württemberg“ nicht stattzugeben.

Der Beschluss über die Abschaffung muttersprachlichen Unterrichts wird damit begründet, dass der muttersprachliche Zusatzunterricht „kontraproduktiv zu den Integrationsbemühungen sei“ und die Migranten durch den Beschluss dazu motiviert werden sollten „sich der deutschen Kultur und Sprache zuzuwenden“.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist der wichtigste Schlüssel für die Integration. Jedoch ist wissenschaftlich belegt, dass die Aneignung der Muttersprache keinesfalls die Erlernung einer zweiten Sprache verhindert. Im Gegensatz dazu wird das Erlernen einer Zweitsprache (Deutsch) erleichtert, wenn eine systematische Grundlage in den Kenntnissen einer Her-kunftssprache vorliegt. Aus diesem Grund kommt dem muttersprachlichen Zusatzunterricht in den Schulen eine enorme Bedeutung zu und er muss daher umfassend unterstützt werden.

Auch muss die Unterstützung der Muttersprache und die damit verbundene Unterstützung der Identitätsbildung der Schüler aus verschiedenen Kulturen im multikulturellen Europa des 21. Jahrhunderts der zentrale Bestandteil eines integrativen Schulsystems sein. Nur somit werden Kindern aus verschiedenen Kulturen und gesellschaftlichen Schichten die gleichen Bildungschancen gewährleistet.

Zusätzlich kann ein Verstoß gegen die Richtlinie des Europäischen Rates vom 25. Juli 1977 über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern (77/486/EWG) durch den Beschluss der Stadt Rastatt nicht ausgeschlossen werden.

Demzufolge appellieren wir an die Landesregierung in Stuttgart, dem Ersuchen der Stadt Rastatt nicht stattzugeben und fordern die Stadt Rastatt auf, die getroffene Entscheidung vom 27. November 2006 umgehend zu revidieren.