Lokale Qualifizierungsoffensive für Arbeitslose

Aus SPD Baden-Württemberg
Wechseln zu: Navigation, Suche

Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2009 vom 07. bis zum 08. März 2009 in Ravensburg


Gerade für prekär Beschäftigte, wie LeiharbeitnehmerInnen und ZeitarbeiterInnen, wirkt sich die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise besonders verheerend aus: Allein in der Region Mittelbaden mit zahlreichen Automobilwerken und Zulieferbetrieben sind rund 1.000 solcher Arbeitsplätze in Gefahr. Erschwerend kommt für prekär Beschäftigte hinzu, dass deren Lobby oft kleiner ist als die regulärer Beschäftigter. Zeitarbeitsverträge laufen aus und werden nicht verlängert, der Bedarf an LeiharbeiterInnen wird heruntergefahren.

Für den Arbeitsmarkt ergeben sich dabei zahlreiche Probleme. Ansteigende Zahlen an Beschäftigungslosen sind jetzt in Krisenzeiten zu erwarten, die ohnehin schon stark belasteten Kassen der sozialen Sicherungssysteme werden weiter strapaziert. In Aufschwungphasen, zu beobachten noch bis weit in den Sommer 2008 hinein, herrscht dagegen oft ein Mangel an ausreichend qualifizierten ArbeitnehmerInnen – gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ein nicht zu unterschätzendes Problem.


Chancen nutzen – gemeinsam handeln

LeiharbeitnehmerInnen und ZeitarbeitnehmerInnen, die aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verlieren, sollen vor Ort umfassende Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote erhalten. Für Arbeitslose, die beispielsweise über eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bereich der Elektro- oder Metallindustrie verfügen, bietet sich eine Weiterbildung zum/zur staatlich geprüften Techniker/in an.

Deshalb fordern wir einen „Runden Tisch für Qualifizierung“. Dazu schaffen alle lokalen Akteure ein Netzwerk: Agentur für Arbeit, Berufsschulen, Kommune und nicht zuletzt Unternehmen vor Ort beteiligen sich an diesen Maßnahmen. Es gilt, vorhandene Möglichkeiten effizienter und zu Gunsten der Betroffenen zu nutzen:

- Der Landkreis soll die Räumlichkeiten (hier bieten sich lokale Berufsschulen an) kostenlos zur Verfügung stellen.

- Das zuständige Regierungspräsidium bzw. das Kultusministerium stellt zusätzliche Lehrkräfte zu Verfügung.

- Die Kosten für die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen wird die Agentur für Arbeit tragen, die gleichzeitig für die Betreuung und Vermittlung der Betroffenen an die Kurse sorgt.

- Ebenfalls sollen lokale Unternehmen in diese Kooperation mit eingebunden werden. Diese können durch ihr Wissen und Know-how zusätzlich zum eigentlichen Fachunterricht zur Qualifizierung beitragen. Eine starke Verbindung von Theorie und Praxis soll so spätere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen und entstehende Kontakte zwischen Unternehmen und KursteilnehmerInnen sind gerade im Hinblick auf die spätere Suche nach qualifizierten Fachkräften bzw. einem Arbeitsplatz besonders wichtig.

Zur reinen Weiterbildung auf dem beruflichen Fachgebiet müssen noch weitere qualifizierende Maßnahmen wie Bewerbungstrainings, evtl. Sprachkurse, EDV-Kurse etc. angeboten werden.

Denn klar ist: Investitionen in Köpfe sind mindestens genauso wichtig wie solche in Beton. Und von gut qualifizierten ArbeitnehmerInnen profitieren alle: Der/die Arbeiter/in, dessen/deren Berufschancen steigen, das Unternehmen, das in Hochzeiten die gut ausgebildeten MitarbeiterInnen zur Verfügung hat, die Kommunen, die weniger Arbeitslose zu verzeichnen haben und die Bundesagentur für Arbeit, die geringere Ausgaben bei ALG I und ALG II hat.