Leitlinien 2010

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2002 vom 15. bis zum 17. März 2002 in Walldürn


I. Ziele der Landesverbandsarbeit

Die Jusos Baden-Württemberg sind ein politischer Jugendverband, der offen ist für die Mitarbeit aller politisch interessierten jungen Menschen. Wir wollen junge Leute dort abholen, wo sie stehen, ihr Interesse wecken und sie für politische Themen sensibilisieren.

Der Juso-Landesverband ist immer nur so stark wie seine Kreisverbände und Arbeitsgemeinschaften vor Ort. Er soll als Partner und Unterstützer der Basis auftreten. Hierzu ist es nötig, dass er sich auf seine wesentlichen Kernaufgaben beschränkt. Folglich müssen die Kreisverbände und Arbeits¬gemeinschaften dazu ermuntert werden, die frei werdenden Aufgaben zu übernehmen. Der Landesverband muss die hierzu notwendige Kommunikation und Kooperation organisieren. Ziel ist es, eine Arbeitsteilung im Miteinander zu erreichen und kein Nebeneinanderher, das unnötig Energien und Kräfte verschleißt.

Die Schlagworte des Verbandes der Zukunft lauten „Dialog“, „Motivation“, „Jugendorientierung“, „der Verband der kurzen Wege“, „der Landesverband als Partner“ und „Vernetzung“.

Als Kernaufgaben für den Landesverband definieren wir:

• Die aktiven Jusos in den Kreisverbänden inhaltlich und arbeitstechnisch zu qualifizieren und sie bei der Arbeit vor Ort mit thematischen Inputs und Aktionsideen zu unterstützen.

• Die Kreisverbände zu vernetzen und sie in ihrer regionalen Zusammenarbeit zu unterstützen.

• Spezielle Angebote für junge Menschen zu machen, die an spezifischen Themen interessiert sind.

• Themen besetzen, die für junge Menschen relevant sind, um Impulsgeber für politische Debatten zu sein.


II. Kriterien zur Auswahl von Themen und Schwerpunkten

Wir wollen weg vom Bauchladenanspruch. Ein Juso-Landesverband kann sich nicht ständig mit jedem Thema beschäftigen und muss daher Kriterien entwickeln, die für die Auswahl seiner Themen und Schwerpunkte maßgeblich sind. Folgende Fragen wollen wir uns bei der Auswahl unserer Themen stellen:

Bei der grundlegenden Themenauswahl:

• Was ist für junge Leute relevant und/oder interessant?

• Was lädt sowohl Jusos als auch Interessierte zum Mitmachen ein?

• Was ist aktuell oder kann in absehbarer Zeit aktuell werden?

• Was stößt auf Interesse?

• Was ist gesellschaftlich relevant?

• Was schafft Profil nach außen?

• Was ist ansprechend?

• Was ist öffentlichkeitswirksam?

Sobald es einen Themenvorschlag gibt:

• Kann das Thema in einem über¬schau¬baren Zeitraum behandelt werden?

• Haben wir die genug Leute und/oder Bündnis¬partner?

• Wie können die Leute sich einbringen?

• Welchen Zeitraum umfasst die Behandlung eines Themas? Ist dieser tragbar?

• Wie muss das Thema in der Planung angegangen werden?

• Wie können unterschiedliche Aspekte des Themas umgesetzt werden?

• Ist der Vorschlag finanzierbar?

• Welche Aspekte innerhalb des Themas sind (leichter) umsetzbar?


III. Zielgruppe

Wir unterscheiden in mittelbare und unmittelbare Zielgruppen des Landesverbandes, also Menschen, die man erst in einem zweiten Schritt bzw. über einen Multiplikator erreicht und Menschen, die man direkt ansprechen kann.

a) Mittelbare Zielgruppen des Landesverbandes

Damit gemeint sind – pauschal formuliert - alle jungen Menschen, also Schüler, Studenten, Azubis und junge Berufstätige. Sie sind die zentrale Zielgruppe des politischen Juso-Verbandes. Diese Menschen spricht der Juso-Landesverband als solcher jedoch nicht direkt an, sondern über die Arbeit, die vor Ort in den Kreisverbänden und Arbeitsgemeinschaften geleistet wird. Damit bildet die mittelbare Zielgruppe des Landesverbandes die unmittelbare Zielgruppe der Juso-Basisarbeit. Die jungen Menschen in einer Stadt oder Gemeinde sind viel fassbarer und zudem sind die aktiven Jusos vor Ort viel enger mit der Gesellschaft verflochten, als dies für einen Landesverband und seinen Vorstand möglich ist.


b) Unmittelbare Zielgruppe des Landesverbands

Damit gemeint sind die Jusos und jungen SPD-Mitglieder in den Kreisverbänden. Diese muss der Landesverband direkt ansprechen, muss sie motivieren und qualifizieren, da sie ihm wiederum vor Ort als Multiplikatoren dienen und somit sein Fundament bilden. Ohne diese unmittelbare Zielgruppe wäre es dem Landesverband nur schwer möglich, seine mittelbare Zielgruppe, also die jungen Menschen in Baden-Württemberg, zu erreichen.

Neben der reinen Ansprache muss es dem Landesverband auch gelingen, sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse der Jusos und jungen SPD-Mitglieder vor Ort einzulassen, um sie auf längere Zeit zu binden. Zudem muss der Landesverband Angebote und Strukturen für Jusos und Interessierte schaffen, die mit herkömmlicher Juso-Arbeit nicht erreicht/befriedigt werden können.

Als unmittelbare Zielgruppen des Landesverbandes definieren wir:

 Die Arbeitsgemeinschaften und Kreisverbände und die Jusos, die hier aktiv sind.

 Jusos, die das gewohnte Juso-Umfeld ihres Heimat-Kreisverbandes verlassen und/oder ins Berufsleben wechseln.

 „High-Potentials“: 1) Juso-Aktive, die sich einer überregionalen politischen Herausforderung stellen wollen. 2) Sympathisanten, die außerhalb der Jusos stehen,

 deren Interessen die Möglichkeiten der örtlichen Ebenen übersteigen.

 die dem Landesverband inhaltliches Know-how für seine Impulsgeberfunktion zur Verfügung stellen können.

 die in verschiedenen Bereichen als Multiplikatoren dienen können.

Nicht zuletzt muss der Landesverband strategische Partnerschaften eingehen und helfen, diese auf Kreisebene nutzbar zu machen. Das bedeutet, gemeinsame Projekte mit anderen Verbänden durchführen bzw. einleiten, um gesellschaftlich durchsetzungsfähiger zu werden, eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen und um Mitglieder anderer Organisationen für die Mitarbeit bei den Jusos zu gewinnen.


IV. Berührungsängste mit dem Juso-Landesverband abbauen

Die schönsten Überlegungen zur Optimierung der Juso-Arbeit nutzen nichts, wenn bereits aktive Jusos und solche jungen Menschen, die sich für Juso-Arbeit interessieren, gehemmt und demotiviert werden durch die verschiedensten Faktoren, die allerdings alle etwas gemeinsam haben: sie sind vermeidbar!

Manche Faktoren lassen sich rein organisatorisch verändern, bei anderen muss der gemeinsame Wille zur Veränderung geschaffen und umgesetzt werden. Wir sehen folgende Hemmschwellen zur Mitarbeit bei den Jusos und wollen diese überwinden.

Praktische Hemmnisse a) weite Anfahrtswege

b) daraus resultierendes zu frühes Aufstehen (gerade am Wochenende!)

c) zu viele Zentralveranstaltungen d) zu viele Termine


Mangelnder Informationsfluss a) Termine und Informationen erreichen zu wenige

b) Termine und Informationen werden nicht (rechtzeitig) weiter gegeben

c) Informationen sind nicht ausreichend

Verhaltens- und Arbeitsformen

a) kein zielgerichtetes Arbeiten

b) wenig konstruktive und zu lange Diskussionen, „Labern“

c) Machtspielchen schrecken ab

d) Beschäftigung mit sich selbst, statt mit dem politischen Gegner

e) geschlossene Funktionärscliquen vermitteln ein Gefühl der Exklusivität und des Ausgeschlossen seins

Damit befindet man sich quasi in einem Teufelskreis: Aufgrund mangelnder Information kommen wenig neue Leute, die im schlimmsten Fall auch noch durch interne Hahnenkämpfe abgeschreckt werden und dann am übernächsten Wochenende mit Sicherheit nicht um halb sieben aufstehen wollen...

Dies gilt es zu durchbrechen, denn neue, interessierte Leute motivieren und nur wer motiviert ist und Spaß am politischen Tun hat, der macht es auch richtig gut und das wiederum zieht dann neue Leute an und damit wird aus dem Teufelskreis ein positiver Kreislauf.


V. „Nur wer selbst motiviert ist, kann auch andere motivieren!“

Ein Verband wirkt motivierend, wenn er seine Arbeit auf den folgenden Bausteinen aufbaut, die sich alle mehr oder weniger gegenseitig bedingen. Somit ist darauf zu achten, dass man zwischen den einzelnen Faktoren Ausgewogenheit herstellt und keinen vernachlässigt.

Identifikation

a) „Ich bin Juso, und das ist gut so!“ - Wir nehmen unsere Verantwortung als junge Leute in Baden-Württemberg wahr.

b) Wir können bei den Jusos Anerkennung und Unterstützung für unsere Ideen und Aktionen finden.

c) Wir treffen Leute, die sich für ähnliche Dinge interessieren.

Inhalt

a) interessante Inhalte/Themen bei Seminaren, Projektgruppen und Foren

b) qualifizierte Referenten, „große Namen“ als Appetizer

c) attraktive Events

Spaß

a) Politik mit Spaß- und Freizeitelementen verbinden.

b) Juso-Arbeit ist spannend.

c) Personelle Bindungen werden geschaffen und vertieft.

Ergebnisorientierung

a) Die Ergebnisse der Juso-Arbeit sind fassbar.

b) Die Ziele werden genau definiert und überprüft.

c) Die Arbeit richtet sich an diesen Zielen aus.

d) Einfluss auf die SPD.

e) Einfluss auf kommunale Geschehnisse.

Eigeninteresse

a) Juso-Arbeit bringt Menschen persönlich weiter.

b) Juso-Arbeit bringt Menschen Vorteile, nicht nur parteiintern, vor allem auch beruflich oder studientechnisch.


VI. Handlungsfähigkeit schaffen / ausbauen

Aus all diesen Ziel- und Aufgabendefinitionen ergibt sich nun folgender Reformbedarf für den Verband:

a) Kommunikation

1. Regionalisierung

Die Kommunikation zwischen Landes- und Kreisebene soll durch die Regionalisierung der Arbeitsweise verbessert werden.

Die Kreisbetreuung der Landesvorstandsmitglieder wird in die Regionalbetreuungen umgewandelt. Die Besetzung des Lavos soll regional ausgewogen sein. Dies stellt sicher, dass das Prinzip der Regionalbetreuung effektiv umgesetzt werden kann.

Regionaltreffs, auf denen jeder betreffende Kreisverband anwesend sein sollte, übernehmen die Kommunikation zwischen Kreis- und Landesebene. Die Regionen werden jährlich ohne, dass es zu gravierenden Änderungen kommen sollte, festgelegt

Die Regionen werden durch den Landesvorstand in Absprache mit den betroffenen Kreisverbänden eingeteilt.

Dabei soll die faktischen Erreichbarkeit eines zentralen Ortes zum Beispiel durch Beachtung von Verkehrsverbünden beachtet werden. Außerdem werden bereits bestehende regionale Kooperationen beachtet und ausgeweitet.

2. Der Landesausschuss

Der LA verliert konsequenterweise seine Funktion als "Kommunikatohr“ und Informationsgremium. Er soll aber politisch aufgewertet und die Anzahl an Tagungen auf eine Sitzung pro Quartal festgelegt werden.

Seine Hauptaufgaben sind:

- Er ist weiterhin das höchste Beschluss fassende Gremium des Juso-Landesverbandes zwischen den Landesdelegiertenkon¬ferenzen und positioniert sich zu aktuellen politischen Themen.

- Er übt die politische Kontrolle des Landesvorstandes aus.

3. Neue Medien

Die E-Mail-Kommunikation soll ausgebaut werden und durch interaktive Elemente auf der Landesverbandshomepage ergänzt werden

4. Kontra: Mehr Motivation und Professionalität

Das Kontra soll in einem erhöhten Maße die Rolle eines „Kommunikators“ innerhalb des Landesverbandes übernehmen. Es soll die relevanten politischen Debatten im Verband nachzeichnen. Darüber hinaus soll es Diskussions¬anstöße geben und einen Schwerpunkt seiner Berichterstattung auf Verbandsaktivitäten legen. Die Arbeit des KONTRAs soll durch Motivation und Professionalisierung verbessert werden soll. Es sollen mehr Anreize und Motivation zur Mitarbeit geschaffen werden und das Magazin im Gesamten professionalisiert werden. Dazu gehört auch, dass professionelle Hilfe von außen in Anspruch genommen wird und feste Termine für Redaktionssitzungen vereinbart werden.

b) Projektarbeit

Dabei werden die verschiedenen Arbeitsformen (Forum, Arbeitskreistagung, Seminar) entsprechend ihrer Stärken unter dem Dach eines Projektes zusammengefasst. Außerdem muss Ergebnisorientierung gewährleistet sein.

Projektarbeit soll in folgenden Schritten ablaufen:

1. Der Landesverband gibt sich höchstens zwei (von der LDK im Arbeitsprogramm nach Ermessen festzulegen) zentrale Projekte. Hierunter können auch ein Kampagnenprojekt und ein inhaltliches Projekt fallen.

a) „Regional abstimmen, regional umsetzen“ Die Themenfindung soll in Regionaltreffen mit Kreisverbänden geschehen. Es kann ein Angebot von dezentralen Seminaren erstellt werden, das sich am Landesthema orientiert.

b) Die Projekte nehmen ihre Arbeit mit einem regionalen Event auf.

2. Der Landesverband bietet eine Plattform für regionale Projekte und gibt Hilfestellung bei deren Umsetzung.

3. Aktuelle Themen sollen unter den Aspekt der regionalen Umsetzung kurzfristig und zeitlich begrenzt bearbeitet werden können. Flexible Projektaufstellung oder die Bildung eines Arbeitskreises soll auch unter dem Jahre möglich sein. Gleichermaßen muss aber auch akzeptiert werden, dass Projekte, die nicht laufen oder nicht mehr aktuell sind, eingestellt werden können.

4. Qualifizierung der Teilnehmer

5. Festhalten und Publizieren der Ergebnisse.

c) Politische Organisation

Die Landesgeschäftsführung muss eine stärkere organisationspolitische Funktion erhalten. Dazu gehören unter anderem folgende Aufgaben:

 Erstellung von Seminarplänen

 Einrichtung eines Referentenpools

 Zusammenstellung von Infos für Untergliederungen

 Organisationspolitische Beratung von Untergliederungen

 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (mittelfristig soll daher die Funktion des ehrenamtlichen Pressesprechers wieder abgeschafft werden)

Dies setzt die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und eine Präsenz des Landesgeschäftsführers bei mindestens einem Treffen jeder Region pro pro Arbeitsjahr voraus.

Durch folgende Veränderungen wird der Landesgeschäftsführer im Gegenzug entlastet: Weniger landesweite Veranstaltungen, weniger LAs, weniger Ausgaben des Kontras, vermehrte Beschäftigung von Praktikanten.

Mehr Motivation durch Zertifikate

Zukünftig soll generell bei allen Ämtern und Arbeitsleistungen auf Landesebene verstärkt auf Zertifikate gesetzt werden. Damit werden mehr Anreize zur Mitarbeit auf Landesebene geschaffen. Qualifikationen, die durch die Arbeit im Juso Landesverband erworben werden, sollen dokumentiert werden.