Inklusion von Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen ins Regelschulsystem

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2010 vom 08. bis zum 09. Mai 2010 in Konstanz


Wir fordern die Landesregierung dazu auf, dafür zu sorgen, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass SchülerInnen mit Behinderung besser ins Regelschulsystem integriert werden können. Dies wird in der bereits am 01. Januar 2009 in Kraft getretenen UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen gefordert. Bisher sind allerdings noch keine Schritte in diese Richtung unternommen worden. Vielmehr werden immer noch neue „Sonderschulen“ gebaut. Um Inklusionen von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen und Fähigkeiten sicherzustellen, müssen die Sonder- bzw. Förderschulen in ihrer Funktion als Förder- und Kompetenzzentren gestärkt werden. Spezielle Fördermaßnahmen für Kinder mit Behinderungen, welche den Unterrichtsbesuch erleichtern und unterstützen, sollen in der Schule durch Fachpersonal ergänzend zum Unterricht angeboten werden.

Eine sofortige Schließung aller Sonder- und Förderschulen lehnen wir ab. Vielmehr muss aus Sicht des Kindes entschieden werden, welche Schulform für seine Entwicklung am sinnvollsten erachtet wird. Ein Automatismus sowohl in die eine als auch in die andere Richtung erscheint hier wenig zielführend. Der Gedanke der Inklusion genießt jedoch Vorrang und ist erklärtes Ziel. Deswegen sollte auch ein uneingeschränktes Wahlrecht im Schulgesetz verankert werden.

Die Förderschulen werden in ihrer Rolle als Förder- und Kompetenzzentren gestärkt und dienen als regionale Betreuungszentren. Weiterhin nehmen die Zentren eine Beratungsfunktion für alle beteiligten Akteure war.

Die aktuell in den Sonder- bzw. Förderschulen eingesetzten SonderpädagogInnen sollen teilweise in die Regelschulen wechseln und dort gemeinsam mit den Fachlehrerinnen behinderte und nichtbehinderte SchülerInnen als Tandem unterrichten. Die Klassenteiler müssen im Zuge dieser Inklusion deutlich reduziert werden, da das gemeinsame Unterrichten von behinderten und nicht-behinderten SchülerInnen besondere Anforderungen an Lehrkräfte stellt.

Die notwendigen Kosten für Umbau der bestehenden Schulen hin zu behindertengerechten Bildungsstätten für alle müssen selbstverständlich vom Land getragen werden. Diese Maßnahmen wären ein erster Schritt in Richtung Gemeinschaftsschule. Allerdings muss sichergestellt werden, dass mit „Gemeinschaft“ nicht nur Haupt,- Real, - und GymnasialschülerInnen gemeint sind, sondern dass auch behinderte SchülerInnen in das System der Gemeinschaftsschule integriert werden müssen.

Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Art der Behinderung berücksichtigt wird. Einige geistige Behinderungen sind nicht einfach integrierbar und bedürfen besonderer Zuwendung. So gibt es beispielsweise große Unterschiede zwischen Kindern, die an Trisomie 21 leiden und Kindern, die z.B. autistisch sind. Hierzu müssen ExpertInnen herangezogen werden, um zu entscheiden, ob eine Regelschule die richtige Betreuung für das behinderte Kind darstellt.

Nur durch diese Maßnahmen können Strukturen und didaktische Voraussetzungen geschaffen werden, in denen das individuelle Fördern und Fordern aller SchülerInnen Priorität hat, um die in der UN-Konvention angemahnte „Inklusion“ zu realisieren.


Empfänger: SPD-Landtagsfraktion