Industriepolitik

Aus SPD Baden-Württemberg
Wechseln zu: Navigation, Suche

Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 01. Juli 2007


Industriepolitik

Die Aufgabe der Industriepolitik besteht in erster Linie im Setzen von Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie erhalten und das Wachstums-, Beschäftigungs- und Innovationspotenzial der Industrie z.B. durch Infrastrukturangebote erhöhen.

Der Status Quo in Baden-Württemberg sieht wie folgt aus:

- Der Dienstleistungssektor war in den vergangenen Jahren der zentrale Wachstumssektor. Wachstumspotentiale weisen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt nur eine unterdurchschnittliche Dimension und Dynamik auf. Wissensdienstleistung ist nur im bundesweiten Mittelfeld

- Zu geringer Anteil an wissensintensiven Dienstleistungen

- Es besteht eine überdurchschnittliche Mittelstandslücke bei der Forschungs- und Entwicklungs-Intensität (FuE)

- Starker Export kompensiert die geringe Binnennachfrage

- Investitionen in Baden-Württemberg sinken. Die Globalisierung hat zur Folge, dass mehr Direktinvestitionen im Ausland getätigt werden

- Frauenerwerbsquote ist zu gering

In Baden-Württemberg ist im Vergleich zu den anderen Bundesländern der Dienstleistungssektor geringer ausgeprägt. Dienstleistungen gelten im Zuge des Strukturwandels als Wachstumsmotoren. So nahm im Dienstleistungssektor die Zahl der Erwerbstätigen um 24 Prozent zu, im Industriesektor nahm sie um 14 Prozent ab.

Baden-Württemberg gilt eher als Industriestandort. Allerdings kann die relativ niedrige Dienstleistungsquote auch damit erklärt werden, dass viele Großunternehmen der Industrie viele Dienstleistungen bereitstellen, diese aber nicht unter den tertiären Sektor fallen. Ähnliche industriestarke Bundesländer wie Bayern und NRW haben aber trotzdem einen höheren Dienstleistungsanteil.

Als Dienstleistungen werden hier unternehmensbezogene Dienstleistungen bezeichnet. Sie sollen als Vorleistung in die Produktion anderer Dienste und Produkte einfließen. Beispiel: Marktforschung, Leasing, Ingenieur- und Architekturdienstleistungen, sowie alle Arten von Unternehmensberatungen. Neben den unternehmensbezogenen Dienstleistungen haben auch Gesundheits-, Sozial- oder Freizeitdienstleistungen hohe Wachstumspotenziale. Ebenso sollten Dienstleistungen im Bereich der Kulturarbeit zukunftsweisend gefördert werden

Ebenso unterdurchschnittlich vertreten sind wissensintensive Dienstleistungen. In ihr sind besonders hoch qualifizierte Beschäftigte tätig sind.

Der wirtschaftspolitische Handlungsbedarf müsste/könnte wie folgt aussehen. Optimal wäre eine komplette Umsetzung der Vorschläge:

- Man benötigt ein funktionierendes Monitoring- und Evaluationssystem, das die Potenziale und Umsetzungen der Wirtschaft erfasst

- Hochgradiges Bildungs-, Ausbildungs- und Fortbildungssystem. Ein wichtiges Problem ist der relativ hohe Anteil an- und ungelernter Arbeitskräfte

- Sektorale und regionale Ungleichgewichte der FuE-Intensität durch Aufholprozesse verringern

- Ganzheitliches Innovationsverständnis. Z.B. fundierte Strategien zur Förderung von Umwelttechnik und -dienstleistungen.

- Asienstrategie: Der asiatische Markt muss besser und effizienter erschlossen werden. Hierbei geht es nicht um die Auslagerung von lohnintensiven Arbeitsplätzen, sondern darum, den asiatischen Markt durch Export oder Direktinvestitionen zu erobern.

- Partizipation: In Baden-Württemberg gibt es keine organisierte und institutionalisierte Beteiligung der Gewerkschaften in Fragen der Innovations- und Technologiepolitik. In allen anderen Bundesländern gibt es diese.

- Förderung spezifischer regionaler Kompetenzen

- Ressortübergreifende Koordination zwischen Technologie-, Wirtschafts-, Struktur- und Arbeitsmarktpolitik

- Förderung wissensintensiver Dienstleistungen

- Förderung (entgegen der Globalisierung) erfolgreicher regionaler Innovationszentren (analog Silicon Valley)