Freiwillige in Freiwilligendiensten stärken!

Aus SPD Baden-Württemberg
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Die Jusos fordern die Stärkung von Teilnehmern und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Freiwilligendienste. Für Menschen die sich im Rahmen eines Freiwilligendienstes engagieren und so einen wertvollen Beitrag für die Zivilgesellschaft leisten muss ein stärkerer Schutz gegen Ausbeutung gewährleistet werden.

Konkret fordern wir:

Transparenz bei den Arbeitszeiten

Obwohl für Beteiligte der Freiwilligendienste maximal eine Arbeitszeit von vierzig Arbeitsstunden in der Woche vorgesehen ist, kann es immer noch vorkommen, dass diese gezwungen sind, deutlich über diese Zeitvorgaben hinweg weiter zu arbeiten. Innerhalb eines Jahres können sich dabei etliche Überstunden ansammeln, die nicht ausgezahlt werden können, da der/die Freiwillige keinen Lohn erhält. Auch ist eine vertragliche Regelung von Überstunden oft nicht festgelegt.

Wir fordern deshalb:

  • Dass die Arbeitszeiten von Dienststelle und Freiwilligen nachvollziehbar dokumentiert werden sollen, um einen Überblick über die Arbeitszeiten, des/der Freiwilligen erhalten zu können und im Zweifel entsprechende Ausgleichsregelungen für Überstunden und Mehrarbeit zu finden.
  • Dass Überstunden nur im Ausnahmefall oder/und bei Zustimmung des Freiwilligen geleistet werden können.
  • Dass Überstunden bis zum Ende der Freiwilligenzeit abgebaut sein müssen. Die Dienststelle kann über das Vorgehen des Überstundenabbaus in Absprache mit der/dem betroffenen Freiwilligen selbstständig entscheiden.
  • Eine besondere Anerkennung der schützenswerten Stellung bei Schichtarbeit: Freiwillige, die ihre Arbeit ganz oder teilweise in Nachtschichten leistenmuss in der darauffolgenden Woche ein Ausgleichstag (4-Tage-Woche oder 32h-Woche) gewährt werden.

Faires Taschengeld, faire Kostenerstattung

Der wichtige Beitrag, den die den Freiwilligen für unsere Zivilgesellschaft erbringen wird von diesen nicht aus finanziellen Interessen heraus erbracht. Viel mehr treten die meisten Beteiligten ihre Stelle aus ideellen Gesichtspunkten heraus an. Viele müssen mit einer geringen finanziellen Unterstützung in Form eines sogenannten „Taschengeldes“ auskommen, das als Pauschale ausgezahlt wird und oft nicht einmal für die Finanzierung, der eigenen Lebenshaltungskosten ausreicht.

Auch ist es oft der Fall, dass die ausgezahlten Taschengelder in Abhängigkeit, der Trägerorganisation teils stark variieren. So kommt es zu Konstellationen, in denen verschiedene Freiwillige, deren Arbeitsaufwand sich ähnlich gestaltet dennoch Vergütungsunterschiede im Bereich, teils dreistelliger Beträge in Kauf nehmen müssen.

Eine derartige finanzielle Belastung von Freiwilligen empfinden wir als ungerecht und fordern daher:

  • Dass eine gesetzliche Mindesthöhe der Ehrenamtspauschalen und Taschengelder für Ehrenamtliche, welche 6 Prozent der in der allgemeinen Rentenversicherung geltenden Beitragsbemessungsgrenze (Stand 2017: 381 Euro) entspricht, eingeführt wird. Jeder Freiwillige leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft und dieser muss auch gerecht bezahlt werden.
  • Die Geldleistungen sind bei einer Erhöhung dieser Norm durch die entsprechenden Träger umgehend anzupassen.
  • Der/die Freiwillige, kann sich für zwei Varianten der Fahrtkostenerstattung entscheiden: entweder die Abrechnung eines Monatstickets oder die Erstattung nach Kilometern. Die Erstattung der Kilometer soll sich nach einem bundesweit bindenden Richtwert setzen.

Partizipation und Teilhabe

Freiwilligendienste geben jungen Menschen die Chance sich einen kleinen Eindruck vom Arbeitsleben zu machen. Dazu gehört Teilhabe am Arbeitsumfeld, als auch die Chance Verbesserungsvorschläge einzubringen oder Missstände zu kritisieren. Massive Probleme, die Freiwilligen zum Nachteil sind, könnten sich verschlimmern, oder können bis zum Ende der Dienstzeit verschoben werden. Vor allem junge Menschen, die ihren Dienst verlängern, sollen die Chance bekommen sich für die Belange der Kolleginnen und Kollegen einzusetzen um zukünftig oder auch gegenwärtig eine bessere Grundlage für Freiwilligenarbeit bilden zu können.

Einsatzstellen und Träger müssen einen Beauftragten für die Belange der Freiwilligen ernennen. Dieser/Diese Beauftragte/r soll hauptamtlich tätig sein.

Klare Strukturen, klare Aufgaben

Der Grund, sich für einen Freiwilligendienst in einembestimmten Bereich zu entscheiden, ist da sich diese Personen dafür interessieren und sich begeistern können. Man übernimmt -vielleicht zum ersten Mal- Verantwortung und reift anhand der sich gegebenen Aufgaben. Deshalb kann es nicht sein, dass Freiwillige teilweise immer noch als billige Arbeitskraft eingesetzt werden, oder Aufgaben übernehmen müssen die die persönliche Qualifikation übersteigen. Freiwilligendienste dürfen keine verschwendete Zeit sein!

Die Möglichkeit, die Aufgabenbereiche innerhalb der Einsatzstelle einmal zu wechseln soll für die Freiwilligen bei entsprechenden Kapazitäten des Bereiches freigestellt werden.

Bei Fahrtdiensten soll ein Fahrsicherheitstraining vor Antritt des Dienstes verpflichtend sein. Dieses muss jährlich aufgefrischt und vom Träger finanziert werden. Freiwilligenstellen, die innerhalb einer Einsatzstelle eingerichtet werden, müssen im Tätigkeitsbereich immer gemeinwohlorientiert und verhältnismäßig uneigennützig für den Betrieb sein. Die im Dienst getätigte Arbeit muss der mit der Einsatzstelle und Freiwilligen ausgemachten Vereinbarung entsprechen. Der Beauftragte für die Freiwilligendienste hat darauf zu achten, dass dies eingehalten wird.

Freiwilligenzeit ist Bildungszeit!

Freiwilligen steht in der Regel eine 25-tägige Bildungszeit zu, deren Inhalt von der Einsatzstelle vorgeschrieben ist. Trotzdem, können manche Freiwilligen, diese Fortbildungszeit nicht nutzen, da sie entweder früher den Freiwilligendienst verlassen, oder krank werden. Seminare können innerbetrieblich sein und an festen Terminen gerichtet sein. Deshalb fordern wir 5 Bildungstage für Freiwillige, die sie selber ausgestalten können und ggf. bei anderen Trägern machen können. Außerdem sind interne Lehrgänge als Arbeitszeit anzurechnen.

Für die Zukunft vorbereiten, Freiwillige als Hauptamtliche übernehmen!

In einigen Tätigkeitsfeldern ist eine hauptamtliche Arbeit nach dem Freiwilligendienst möglich (Bsp. Rettungsdienst, Krankentransport, Behindertentransport). Diese hauptamtlichen Mitarbeiter tragen eine höhere Verantwortung und bekommen Gehalt. Diese „Übernahmemöglichkeit“ ist essentiell wichtig um neue Freiwillige einlernen und in die Einsatzstelle integrieren zu können. Wir möchten, dass Freiwillige die den Freiwilligendienst mindestens 12 Monate geleistet haben, bei guten Leistungen die Möglichkeit bekommen als Hauptamtliche übernommen zu werden.