Für eine öko-soziale Marktwirtschaft

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 18. September 2010

Social Business - soziale Probleme auf wirtschaftliche Weise lösen

Social Business ist das Schlüsselkonzept für den gesellschaftlichen Wandel. Gerade die aktuelle Krise zeigt, dass wir Umdenken und Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem brauchen. Die Idee von Sozialunternehmen (Social Business) stammt vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Social Business als Leitgedanke hebt den traditionellen Widerspruch zwischen sozialen und ökonomischen Anliegen auf und erkennt, dass sich beide Seiten gegenseitig ergänzen und verstärken können. Ein Sozialunternehmen hat sich nicht die Gewinnmaximierung zum Ziel gesetzt, sondern die Lösung eines gesellschaftlichen Problems (z.B. Armut, Ökologie, Bildung oder Gesundheit). Das Konzept des Social Business will die freie bzw. soziale Marktwirtschaft nicht abschaffen, denn Freiheit und Wohlstand sind wichtig. Allerdings muss wirklich jeder an diesem Wohlstand teilhaben können. Dies kann durch Sozialunternehmen und wirtschaftliches Umdenken geschehen.

Social Businesses wollen ein gesellschaftliches, soziales oder ökologisches Problem lösen, dabei arbeiten sie wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig. Oft können soziale Probleme auf ökonomische Weise um ein Vielfaches effizienter und schneller gelöst werden als durch karitative Initiativen. Durch die Fokussierung auf soziale Belange erhält die Wirtschaft neue Impulse für Innovationen. Daher gewinnen bei Social Business beide Seiten – die Wirtschaft bzw. die Unternehmen und die Gesellschaft/ die Menschen.

Ein Beispiel aus Deutschland: „Science Lab“: Um Kinder früh und spielerisch den Zugang zu den Naturwissenschaften zu ermöglichen, haben zwei Frauen, Dr. Heike Schettler und Sonja Stuchtey, bis heute 70 Science Lab "Forscherkurse" für insgesamt 500.000 Kinder in Deutschland durchgeführt. Für die Finanzierung wurden Unternehmen als Partner gewonnen, denen die Nachwuchsförderung in ihrer Region am Herzen liegt. Hier hilft beispielsweise das Genisis-Institut unter anderem sozialen Projekten bei der Weiterentwicklung zu einem Social Buisness.

Derzeit gibt es zwei konkrete Social Business Modelle: Grameen Social Business ist von seinem Initiator Muhammad Yunus so definiert: Der Unternehmenszweck ist allein die Lösung von gesellschaftlichen Problemen – nicht die Gewinnmaximierung. Sozialunternehmen (Social Businesses) arbeiten dennoch wirtschaftlich nachhaltig. Doch die erwirtschafteten Gewinne werden nicht als Dividende an die Kapitalgeber ausgeschüttet, sondern reinvestiert. Die Mitarbeiter erhalten angemessene marktgerechte Gehälter. Sozialunternehmen handeln ökologisch nachhaltig. Social Impact Business bezeichnet unternehmerische Projekte, die allen Kriterien eines Grameen Social Business vollständig entsprechen, dabei jedoch eine begrenzte Verzinsung des für ihr Projekt bereitgestellten Kapitals als sinnvoll und gerechtfertigt erachten. Wir haben die einmalige Chance, unsere Welt und die Art, wie (Mehr-) Wert geschaffen und verteilt wird, zu verändern. Deshalb möge der Juso-Landesausschuss beschließen:

öko-soziale Marktwirtschaft als Denkweise etablieren

Wir müssen es erreichen, dass das Konzept „Social Business“ zum Leitgedanken unserer Wirtschaftspolitik wird. Als Partei, die sich vor allem durch ihr Sozialprofil definiert, fordern wir die geplante Zukunftswerkstätte dazu auf, sich mit dem Thema „Social Business“ zu beschäftigen. Wir unterstützen die Gründung von Think-Tanks, die auch als „Denkwerkstätte“ bezeichnet werden könnten und Do-Tanks in möglichst vielen Universitäten und Unternehmen. Ein Umdenken hat auch immer etwas mit der entsprechenden Kommunikation zu tun. Deshalb braucht es eine Stärkung beziehungsweise Entwicklung einer „Medienlandschaft der Nachhaltigkeit“. Wir unterstützen Projekte, wie das Projekt „Deutschland sucht seine sozialen Helden“ und fordern deren Ausbau und deren Förderung. Durch die enge Zusammenarbeit von Kommunen und Projekten dieser Art, soll die aktive Teilhabe ihrer Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen an dem Projekt sichern. Forum Zukunftsunternehmer – Think-Tank

In einer vernetzten Welt brauchen Wirtschaft und Gesellschaft eine neue Qualität von unternehmerischem Geist - nicht nur für unternehmerische Innovationen, sondern insbesondere auch für gesellschaftliche Innovationen. Unternehmen sind in einer interdependenten Welt neben einer kontinuierlich wachsenden ökonomischen Kompetenz auch auf eine ebenso stark wachsende öko-soziale Kompetenz angewiesen, um auch in Zukunft nachhaltig erfolgreich wirken zu können. Deshalb fordern wir die Bundesregierung dazu auf, ein solches Forum auf politischer Ebene zu schaffen und zu etablieren, das nicht nur national sondern auch international tätig ist. Um ein Umdenken zu erreichen soll eine Enquete-Kommission eingesetzt werden, die konkrete politische Handlungsschritte erarbeiten und eine neue Ära des wirtschaftlichen Denkens einleiten soll. Neben einem politischen Expertenkreis ist ein offener Dialog notwendig. Darum sollen Politik und Wirtschaft eng in den Kontakt mit Think-Tanks und Do-Tanks treten, welche die Idee von Muhammad Yunus fortentwickeln und Konzepte zur Umsetzung/ Verwirklichung dieser Idee erarbeiten.

Schaffung eines Social Business Sektors

Wir brauchen auf nationaler und europäischer Ebene eine passende Gesetzgebung für Social Businesses. Bisher wird eine klare Grenze gezogen zwischen Gemeinnützigkeit und Wirtschaft. Wenn sich Social Business auch in Deutschland zu einem breiten Trend durchsetzen soll, muss es nun auch bald für Unternehmen die passenden Rechtsformen und die passende steuerliche Behandlung geben, die einzig und allein zur Lösung eines akuten gesellschaftlichen Problems gegründet werden und bei denen die Investoren ganz auf jede Dividende verzichten (oder nur eine klar begrenzte und transparente Miniverzinsung ihres eingesetzten Kapitals erwarten). Stiftungen können heute ihr Stiftungskapital nur in normale profitorientierte Unternehmen einsetzen - aber nicht in Social Businesses, selbst dann nicht, wenn diese exakt im Korridor ihres Stiftungszwecks liegen. Dafür muss der rechtliche Rahmen geschaffen werden.

Des Weiteren fordern wir die Gründung einer Sozialbörse in Deutschland nach dem Modell von Celso Grecco, das er an der BoVesPA in Brasilien umsetze, als neue Finanzierungsquelle für Sozialunternehmen in Deutschland, die sich Zielen einer sozial und ökologisch nachhaltigen Entwicklung verschreiben.