Für die Besserstellung der Rechte von PraktikantInnen – Gegen die Ausbeutung von PraktikantInnen

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2008 vom 03. bis zum 04. Mai 2008 in Tuttlingen


1. Status:

Obwohl PraktikantInnen bereits im Arbeitsrecht und im Berufsbildungsgesetz (§ 26 i.V.m. §10 BBiG) vage definierte Rechte haben, ist eine rechtliche Anpassung vorzunehmen. Wir for-dern daher, eine klare gesetzliche Regelung des PraktikantInnenstatus. Die PraktikantInnenstelle erhält den offiziellen Status eines „Fortbildungsverhältnisses“.

2. Arbeitsbedingungen

Arbeitgeber und PraktikantInnen müssen Ziele und Bedingungen des Praktikums schriftlich vereinbaren, wobei der Erwerb von beruflichen Qualifikationen eindeutig im Vordergrund zu stehen hat. Weiter soll dieser Vereinbarung entnommen werden, dass der/die Praktikant/in einen Einblick in die wesentlichen Bereiche des Unternehmens zu bekommen hat.

Jede/r Praktikant/in muss am Arbeitsplatz eine/n feste/n Ansprechpartner/in zur Verfügung gestellt werden.

Generell brauchen PraktikantInnenstellen eine zeitliche Begrenzung von maximal 12 Monaten, sodass Arbeitgeber keinen Anreiz mehr haben, reguläre Arbeitsplätze durch PraktikantInnenstellen zu ersetzten.

3. Vergütung

Die Arbeit von PraktikantInnen verdient eine angemessene Entlohnung. Deshalb fordern wir eine „sozial gerechte Vergütung“, die sich an Ausbildungsgehältern orientieren soll ab einer Länge von zwei Monaten, damit eine eigenständige Grundversorgung gewährleistet ist. Für PraktikantInnen ohne Vordiplom ist mindestens eine Entlohnung in Höhe des Ausbildungsgehaltes der entsprechenden Berufsgruppe im ersten Lehrjahr zu entrichten. Für PraktikantInnen mit Vordiplom ist mindestens eine Entlohnung in Höhe des entsprechenden Ausbildungsgehalts im dritten Lehrjahr zu entrichten. Sofern der Betrieb, indem der/die Praktikant/in beschäftigt wird, über keine entsprechenden Auszubildenden verfügt, so finden die tariflich festgelegten Ausbildungsgehälter der entsprechenden Berufsgruppe Anwendung.

4. Sozialversicherung:

Der/die Praktikant/in muss vom Arbeitgeber sozialversichert werden.

5. Prävention:

Wir brauchen eine effektive Aufklärungskampagne, die das Anliegen und die Rechte der jungen Menschen thematisiert. Die Probleme müssen publik gemacht und Arbeitgeber wie Öffentlichkeit sensibilisiert werden, ohne unnötig Panik und Verunsicherung bei AbsolventInnen zu verbreiten, aber auch ohne Verschleierung des Problems.

Die Hochschulen sind aufgerufen, sich aktiv daran zu beteiligen und schon bestehende Strukturen, wie „Alumni-Treffen“ oder Beratungsstellen als Aufklärungsmittel zu nutzen.

Unternehmen, die mit PraktikantInnenstellen reguläre Arbeitsverhältnisse ersetzen, dürfen von der öffentlichen Hand nicht beauftragt oder gefördert werden.

Die Betriebs- und Personalräte sind aufgerufen, ihre Betreuung auch auf PraktikantInnen auszudehnen und sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen.

Die Bundesagentur für Arbeit ist aufgefordert, AbsolventInnen einer Ausbildung oder HochschulabsolventInnen nur in Praktika mit definierten Mindeststandards zu vermitteln.

Wir fordern eine Obergrenze von PraktikantInnen von maximal 20 Prozent der Beschäftigten.