Einstieg muss sich wieder lohnen - Situation junger BerufseinsteigerInnen

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Beschluss des Juso-Landesausschusses am 11. September 2011 in Heilbronn

Einstieg muss sich wieder lohnen - Situation junger BerufseinsteigerInnen

In der Debatte um Ausbildungsstellen darf auch trotz des aktuellen Mangels die Qualität solcher Stellen in der Debatte nicht zu kurz kommen. Wer eine Ausbildung absolviert, muss von seinem Vergütung leben können und bedarf während der Ausbildung einer guten Betreuung durch den Ausbilder. Wer als Arbeitgeber einen jungen Menschen unter seine Obhut nimmt, muss die zur Ausbildung erforderliche Zeit einplanen und seinen Ausbildern genug Freiraum bieten. Ein Konzept der „Masse statt Klasse“ lehnen wir ab.

Gleiches gilt für BerufseinsteigerInnen nach dem Hochschulabschluss. Während Praktika als zeitlich klar begrenzte Lern- und Orientierungsphase während des häufig theoriebetonteren Studiums oder nach dem Schulabschluss eine sinnvolle Lösung darstellen, ist es nicht hinnehmbar, dass PraktikantInnen von einigen Unternehmen auf längere Zeit als günstige Arbeitskräfte mit gleichen Pflichten aber ohne gleiche Rechte ausgenutzt werden.

Für uns ist klar: Der Berufseinstieg muss sich wieder lohnen: finanziell, sozialrechtlich und auch in Bezug auf eine angemessene Begleitung und Anleitung durch den Arbeitgeber bei den ersten Schritten im Berufsleben.

Deshalb fordern wir:

-eine bessere Bewerbung und Unterstützung von Bewertungssystemen und Gütesiegeln für Ausbildungsbetriebe und Praktikantenstellen durch die Überprüfung der Ausbildungseignungsprüfung der Kammern

-direkte Ansprechpartner, die eine individuelle Betreuung ermöglichen

-eine engagierte Förderung seitens der Arbeitgeber; eventuell verbunden mit langfristigen Karriereoptionen: gegenseitiges Geben und Nehmen.

-eine mit der Bezahlung im ersten Ausbildungsjahr einer Berufsausbildung vergleichbare Vergütung für vom Unternehmen geforderte Praktika, wie z.B. das Vorpraktikum für angehende ErzieherInnen.

-eine arbeits- und sozialrechtliche Regelung des PraktikantInnenstatus durch den Gesetzgeber. Es ist nicht hinnehmbar, das diese Aufgabe aktuell nur von der Rechtssprechung aufgrund bestehender, unzureichender Gesetze wahrgenommen wird. Dies ist umso bedenklicher, da auf Basis der derzeitigen Rechtslage das Bundesarbeitsgericht PraktikantInnen den Arbeitnehmerstatus aberkannt hat.

-eine durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegebene und finanzierte Studie, die auf wissenschaftlich fundierter Basis das häufig genannte Phänomen „Generation Praktikum“ beleuchtet und so endlich eine Debatte basierend auf einer verlässlichen Datenbasis bezüglich Situation, Vergütung, Dauer und Anzahl von Praktika ermöglicht.

-eine Mindestvergütung von 680 € im ersten, von 750 € im zweiten und von 800 € im dritten Ausbildungsjahr

-per Gesetz situationsbedingt auf eine angemessene Zeitspanne begrenze Praktika; Gleiches gilt für die Vergütung von Praktika