Einführung eines wertevermittelnden Pflichtfaches in allen wirtschafts-, ingenieurs- und naturwissenschaftlichen Studiengängen

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2005 vom 22. bis zum 24. April 2005 in Karlsruhe


Freiheit. Gerechtigkeit. Solidarität. Dies sind die Werte, denen sich unsere Gesellschaft im Allgemeinen, wir Sozialdemokraten im ganz Besonderen verpflichtet fühlen. Auf diesen Werten basiert das europäische Gemeinwesen, sie halten alles zusammen.

Wenn man sich allerdings in der Realität des Wirtschaftsalltags umschaut, muss man ernüchtert feststellen, dass von diesen Werten oft nicht viel übrig geblieben ist.

Es zählt nur der kurzfristige Profit, der Mensch bleibt dabei auf der Strecke. Manager bereichern sich maßlos auf Kosten der Arbeitnehmer, deren Rechte mit Füßen getreten werden. Lohnkürzungen werden mit Arbeitsplatzabbau erpresst. Firmen werden bewusst kaputtgeschrumpft, es wird derjenige mit einem hohen Aktienkurs belohnt, der die meisten Menschen auf die Straße schickt.

Offensichtlich stimmt in unserer Gesellschaft etwas nicht mehr. Unsere Werte, denen wir Sozialdemokraten verpflichtet sind und die im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft als selbstverständlich galten, haben anscheinend an Wirkung verloren bzw. werden nicht mehr eingehalten.

Diese Werte sind aber sowohl für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes überlebenswichtig, gerade angesichts der globalisierten Welt.

Um daher den Menschen wieder in den Mittelpunkt sämtlicher ökonomischer Betrachtungen zu rücken, wollen wir die zukünftige Wirtschaftselite bereits bei ihrem Studium für die Werte Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Demut, Brüderlichkeit, Bescheidenheit sensibilisieren.

Wir fordern also

• Die Einführung eines religionenübergreifenden, wertevermittelnden Pflichtfaches für alle wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge.

1. Dieses Fach soll den Umfang von zwei bis drei Stunden à 45 min pro Woche haben.

2. Die Leistungskontrolle erfolgt über Hausarbeiten und Klausuren, die regelmäßig abzuleisten sind. Auch ist die Anwesenheit in diesem Fach verpflichtend.

3. In diesem Fach sollen sich die Studenten mit dem Weltbild und dem Wert des Individuums sowohl aus ethischer, religionsneutraler Sicht als auch aus der Perspektive der fünf Weltreligionen vertraut machen.

4. Neben diesem theoretisch-historischen Wissenshintergrund sollen sich die Studenten mit den Begriffen Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Demut, Brüderlichkeit, Bescheidenheit, Verantwortung für die Gesellschaft, Wirtschaftsethik, nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Politik sowie ihrer Bedeutung früher und heute beschäftigen.

5. Wir versprechen uns von der Einführung eines solchen Faches langfristig spürbar verantwortlicheres Handeln der Wirtschaftselite sowie der unteren und mittleren Führungskräfte.

6. Die Kosten, die mit der Einführung eines solchen Faches verbunden sind, sind als langfristige Investition in unsere Gesellschaft zu verstehen, die sich auf lange Sicht selbst tragen werden.

7. Uns ist bewusst, dass die Wertevermittlung normalerweise durch andere, zwischenmenschliche Wege geschehen sollte, aber angesichts der momentanen gesellschaftlichen Situation, erachten wir die Einführung eines solchen Pflichtfaches für unabdingbar.

8. Sollte dieser Antrag von der Landesdelegiertenkonferenz verabschiedet und den CDU-Landesregierungen vorgelegt werden, kann man schnell herausfinden, wie ernst es der CDU um ihre oft beschworenen konservativen, christlichen Werte wirklich ist.