Demokratie- und Toleranzerziehung sowie politische Bildung in der Schule

Aus SPD Baden-Württemberg
Wechseln zu: Navigation, Suche

Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2012 vom 5./6.Mai 2012 in Heidenheim

Angesichts sinkender Bereitschaft gerade junger Bürgerinnen und Bürger, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen und gleichzeitig steigender rassistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft, wie die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in ihrer Studie „Die Mitte in der Krise – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010“ feststellte, erachten wir es als unumgänglich, in unserer Bildungspolitik die politische Bildung und Demokratieerziehung deutlich zu intensivieren. Dabei erkennen wir, dass Demokratie nur dann funktionieren kann, wenn Mehrheiten bereit sind, Minderheiten zu achten und zu schützen. Daher steht das Thema Toleranz ebenfalls im Mittelpunkt unserer Forderungen.

Theoretische Grundlagen sind die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die im Gemeinschaftskundeunterricht erworben werden sollte, historischen Kenntnissen aus dem Geschichtsunterricht über Diktaturen (NS-Zeit, DDR etc.) und moralisch-philosophische Grundlagen im Sinne der der Vermittlung von Werten ( z.B. die Menschenwürde, die Freiheit und die Toleranz im Religions- bzw. Ethikunterricht). Diese Kenntnisse sollten besser vernetzt werden, um langfristig haften zu bleiben und den für das Funktionieren unserer Gesellschaft notwendigen Effekt des Bekenntnisses zu Demokratie und Toleranz zu bewirken. Das langfristige Ziel ist, diese Überzeugung in die Tat umzusetzen.

Daher fordern wir:

• Die verbindliche Einführung von Projekttagen, die die fächerübergreifende Bearbeitung des Themenkomplexes Demokratie und Toleranz vereinfachen und verbessern sollen. Diese Projekttage bieten den Vorteil, vielseitige As-pekte dieses Themenkomplexes zusammenhängend zu behandeln. Gegen-wärtig ist das aufgrund der Verteilung verschiedener Teilgebiete auf die Fä-cher Gemeinschaftskunde, Geschichte und Religion/Ethik nur schwer möglich ist. Des Weiteren ergeben sich durch diese Projekttage Möglichkeiten zum sinnvollen, umfassenden Einsatz außerschulischer Lernmittel. Im Besonderen sind Gespräche mit ExpertInnen oder ZeitzeugInnen, Besuche etwa in Gedenkstätten oder Sakralbauten von Glaubensgemeinschaften sowie Diskussionsrunden oder Planspiele zu nennen.

• Die Organisation dieser Projekttage soll den Schulen obliegen. Die Rahmen-bedingungen sollen in einem Schulcurriculum festgelegt werden, dabei soll den SchülerInnen jedoch der größtmögliche Freiraum bei der Gestaltung der einzelnen Veranstaltungen gelassen werden. Als Orientierung bei der Entwicklung von Ideen für die Projekttage könnten Initiativen wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ herangezogen werden.

• Die Bearbeitung des Themenkomplexes soll für alle Schularten obligatorisch sein und spätestens in Klassenstufe 5 beginnen.

• Darüber hinaus fordern wir eine umfassende Ausweitung der Förderung von Projekten zur Demokratie- und Toleranzförderung an Schulen etwa aus den Fördermitteln des Integrations- und Kultusministeriums. Daraus sollte vor al-lem eine langfristige Förderung erfolgreich arbeitender Projekte erfolgen. Zudem fordern wir eine bessere Unterstützung und einen Ausbau der Landes-zentrale für politische Bildung. Diese soll die oben genannten Angebote begleiten und unterstützen, sowie weiterhin eigenständige Informationsarbeit leisten.