Bildungspolitik

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 11. Oktober 2009


Bildungspolitik

Die Jusos Baden-Württemberg fordern die SPD-Landtagsfraktion dazu auf,

1. sich verstärkt und nachhaltig für die zeitnahe Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems einzusetzen. Stattdessen fordern die Jusos die Einführung einer Gemeinschaftsschule für alle Kinder und Jugendliche bis zur zehnten Klasse. Auf dem Abschluss der Gemeinschaftsschule nach finnischem Vorbild sollen weitere Schulabschlüsse aufbaubar sein;

2. innerhalb der nächsten 2 Jahre eine flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen in Baden-Württemberg umzusetzen;

3. im Rahmen der Einführung von Ganztagsschulen Schulmodelle zu entwickeln, in denen, soweit möglich, Kinder mit- und ohne körperliche und/oder geistige Behinderung gemeinsam unterrichtet werden;

4. im Kultusministerium eine Erweiterung der schulischen Bildungspläne um mehr politische Bildung und Demokratieerziehung durchzusetzen. Diese Erweiterung der Bildungsinhalte muss ebenso gesellschaftliche Themen wie Erziehung und Familie beinhalten. Eine vertiefende Beschäftigung mit politischen und gesellschaftlichen Themen sollte im Rahmen der Schulfächer Gemeinschaftskunde/Politik, Geschichte, Geographie/Ethnograpie, Ethik und Deutsch verortet werden;

5. in ganz Baden-Württemberg an allen Schulformen mehr Stellen für SchulpsychologInnen einzurichten sowie flächendeckend an allen Schulen eine 100%-Stelle für ein(e) SchulsozialarbeiterIn zu schaffen;

6. ein landesweites, von der Landesregierung finanziertes Angebot an Sprachförderkursen für Kinder und Jugendliche mit Defiziten in der deutschen Sprache zu schaffen. Diese Förderkurse sollen sich dabei nicht nur explizit an Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund richten, sondern an alle Kinder und Jugendliche, die Kenntnisdefizite in der deutschen Sprache aufweisen. Ebenso müssen Förderkurse so früh wie möglich ansetzen, sodass bereits Kindern im Kindergarten Zugang zu diesen Sprachkursen ermöglicht werden muss;

7. in allen Schulformen das Fach »Ethik« ab der ersten Klasse als Pflichtfach einzuführen. Zusätzlich soll ein umfangreiches Angebot an freiwilligem Religionsunterricht geschaffen werden. Dabei muss gelten, dass alle nichtchristlichen Religionsunterrichtstypen in äquivalentem Umfang zum klassischen, christlich-deutschen Religionsunterricht angeboten werden. Die ReligionslehrerInnenausbildung wird dem Staat unterstellt;

8. eine verstärkte und verpflichtende Medienerziehung in Schulen und Kindergärten/Kindertagesstätten einzuführen, um jungen Menschen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien näherzubringen;

9. die Ausbildung von LehrerInnen für alle Schultypen so zu modifizieren, dass die Fächer Psychologie und Pädagogik verpflichtend vertieft studiert werden müssen; dabei darf der Studienumfang und -niveau im Gesamten nicht zunehmen, um die Studiendauer nicht noch weiter zu verlängern.

10. sich für eine Installation von Lautsprecheranlagen oder anderen Audio-Alarmsystemen in den Klassenzimmern aller öffentlichen Schulen einzusetzen, um eine bessere und schnellere Verbreitung von Informationen in Notfällen zu gewährleisten;

11. ein umfangreiches Weiterbildungssystem für LehrerInnen zu erarbeiten und einzuführen, in welchem Fortbildungen themenspezifisch in gewisser Anzahl zur Pflicht werden. Die zu-sätz¬liche Arbeitszeit wird auf die Deputatsstunden angerechnet, wobei dies zu keinem Unterrichtsausfall führen darf. Das Weiterbildungssystem soll nach einem Punktesystem organisiert werden, welches Zielvorgaben für die LehrerInnenaus- und -fortbildung beinhaltet;

12. an allen Schultypen eine stärkere, vor allem finanzielle und personelle Förderung von Arbeitsgemeinschaften zu gewährleisten. Schwerpunktbereiche der zu fördernden Arbeitsgemeinschaften sind dabei Politik/Geschichte, Sprachen, Sport, Naturwissenschaften, Umwelt und Musik;

13. in Zusammenarbeit mit der Polizei und Sozialpädagogen ein erweitertes Angebot von Gewaltpräventionskursen für Schüler und Lehrer außerhalb des Unterrichts einzurichten.