Bildung – Schlüssel zur Integration

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss des Juso-Landesausschusses vom 04. Dezember 2005


Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die multikulturelle Gesellschaft ist nicht Utopie, sondern Realität, die es zu gestalten gilt und die Aufgabe der Integration von Migranten und deren Kindern mit sich bringt.

Politik muss dieselben Zukunftschancen und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle in Deutschland lebenden Menschen gewährleisten. Wo diese nicht bestehen, müssen sie hergestellt werden.

Bildung ist hierbei der Schlüssel zu einer solchen Teilhabe am gesellschaftliche Leben und kann zu einem selbstbestimmten Leben in wirtschaftlicher Unabhängigkeit führen. Das deutsche Bildungssystem jedoch fördert die Ausgrenzung der Bevölkerungsteile mit Migrationshintergrund mehr, als das es hilft einen Beitrag zur Integration zu leisten. Die Zahl der Migrantenkinder, die das Gymnasium besuchen ist verschwindend gering. Ihre Mehrheit besucht die Hauptschule, die sie allzu oft auch noch ohne Abschluss verlassen. Beruflicher Erfolg ist damit nur sehr eingeschränkt möglich; eine „Sozialhilfekarriere“ oft vorprogrammiert. Für den mäßigen Schulerfolg von Migrantenkindern sind hauptsächlich Sprachdefizite verantwortlich zu machen. Wir ziehen daraus die folgenden Konsequenzen:

Wessen Eltern bereits am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und über Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen, hat es selbst leichter in der Gesellschaft Fuß zu fassen und Deutsch zu lernen. Wir fordern daher kostenlose Deutschkurse für Migranten, die an deren Teilnahme ermutigt werden sollen.

Eine gezielte Sprachförderung muss so früh wie möglich, das heißt bereits im Kindergarten einsetzen. Dabei plädieren wir für eine Form des „Voneinander Lernens“ in gemischten Gruppen, bei der auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann. Sie ist in der Grundschule fortzuführen. Insbesondere die zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit in Ganztagsschulen bietet Chancen dazu. In spielerischen Projekten unter der Einbeziehung sowohl von Migrantenkindern als auch von deutschen Kindern kann es gelingen die Sprachkompetenz insgesamt zu verbessern, ohne dass Migrantenkindern dabei das Gefühl vermittelt bekommen „nachsitzen“ zu müssen. Schulen mit überproportional hohem Anteil an Migrantenkindern sollen dazu Partnerschaften mit Schulen mit überwiegend deutschem Schüleranteil eingehen.

Ein gravierendes Problem von Migrantenkindern, deren Familien bereits in der dritten oder vierten Generation in Deutschland leben, ist, dass sie weder ihre Muttersprache noch Deutsch richtig gut beherrschen. Wer seine Muttersprache nicht perfekt spricht, ist kaum fähig eine Fremdsprache adäquat zu erlernen. Wenn nötig sollen Deutschkenntnisse verpflichtend durch Förderunterricht verbessert werden.

Eine Studie des MPI für Bildungsforschung belegt die Wirksamkeit von Ferienprogrammen mit freiwilliger Teilnahme, in denen Migrantenkinder zum Beispiel in Theaterprojekten, die von Sprachunterricht begleitet werden in den Sommerferien ihre Sprachkenntnisse verbessern können. Wir fordern die flächendeckende, staatliche geförderte Einführung solcher Programme. Die moderne Ausbildung von Lehrkräften muss den gesellschaftlichen Realitäten Rechnung tragen. Im Zusammenhang mit der Lehrerausbildung sollte der Besuch von Lehrveranstaltungen der interkulturellen Pädagogik verpflichtend vorgeschrieben sein.

Zahlreiche Migrantenkinder werden allein wegen mangelnder Sprachkenntnisse auf Sonderschulen für Lernbehinderte abgeschoben. Sprachdefizite sind jedoch keine Lernbehinderung. Normal intelligente Kinder eine Schule für Lernbehinderte besuchen zu lassen unterfordert diese und kommt deren Demütigung gleich. Die Empfehlung an die Eltern das Einverständnis zur Einschulung ihres Kindes in einer Förderschule zu geben darf nur nach sorgfältiger Prüfung erfolgen und keinesfalls mit schlechten Deutschkenntnissen begründet werden.