Bildung

Aus SPD Baden-Württemberg
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Beschluss der Juso-Landesdelegiertenkonferenz 2010 vom 08. bis zum 09. Mai 2010 in Konstanz


Die Jusos sind sich der enormen Missstände im Bereich Bildung bewusst und setzen ihre ganze Kraft darauf, diese auszuräumen. Wir orientieren uns dabei an der bestehenden Beschlusslage der SPD. Jedoch gibt es einige Dinge, die unbedingt und schleunig umzusetzen sind, was nicht bedeutet, dass dies ein Ersatz für eine grundlegende und tiefgreifende Reform des Bildungswesens darstellen soll. Uns ist auch klar, dass die aktuelle Finanzlage der Bundesrepublik Deutschland mehr als problematisch ist und damit zusammenhängend sich die Finanzierung bildungspolitischer Projekte zunehmend schwieriger gestaltet.

Wir schlagen deshalb konkrete Schritte zur Erreichung der bildungspolitischen Ziele der SPD vor:

1. Frühkindliche Bildung und Erziehung
1.1 Gemeinsames Lernen mit anderen Kindern und die qualifizierte Förderung in Kindergarten bzw. Kindertagesstätte ist für die soziale und kognitive Entwicklung von Kindern im Vorschulalter von hoher Bedeutung, nicht zuletzt weil hierbei Defizite bei der Erziehung im häuslichen Bereich teilweise ausgeglichen werden können. Aus diesem Grund fordern die Jusos für jedes Kind die Möglichkeit, einen geeigneten Kiga-/Kita-Platz in Anspruch nehmen zu können. Dazu gehört auch, dass Eltern nicht aus Kostengründen auf die Inanspruchnahme eines Kiga-/Kita-Platzes für ihr Kind verzichten müssen oder ein solcher Verzicht finanziell attraktiv erscheint. Um Eltern einen bürokratischen Nachweis ihrer Einkommenssituation gegenüber dem Träger zu ersparen, müssen Kiga-/Kita-Plätze grundsätzlich kostenlos sein.

Auch wenn die Chance auf frühkindliche Erziehung und Bildung in erster Linie als Recht des Kindes gesehen werden muss und weniger als Recht der Eltern auf geeignete Betreuung des Kindes, hat die Möglichkeit, einen kostenlosen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen zu können, doch den Vorteil, dass gerade erwerbsfähige Hilfebedürftige in die Lage versetzt werden, eine Arbeitsstelle anzunehmen bzw. sich um eine solche zu bemühen.

1.2 Starke Schultern können mehr tragen als schwache! Um diesen Grundsatz zu verwirklichen, halten wir die Finanzierung der Kinderbetreuung über ein Steuersystem, das diesen Grundsatz berücksichtigt, für den richtigen Weg. Ausbau und Gebührenfreiheit von Kinderbetreuung darf dabei nicht zu Lasten der Kommunen gehen.


2. Schule

2.1 Die Jusos fordern die Einrichtung einer unabhängigen, neutralen und selbstständigen „Qualitätsüberprüfung“ der LehrerInnen in Baden-Württemberg! Diese soll regelmäßig die Arbeit aller LehrerInnen überprüfen und somit die Gewährleistung eines guten Unterrichts gemäß dem Lehrplan sichern.

Immer wieder kommt es vor, dass auffällige LehrerInnen von einer Schule zur anderen geschoben werden – oder schlimmer, gar nichts unternommen wird. Damit ist das Problem nicht gelöst und das bestehende Oberschulamt offensichtlich mit solchen Problemen überlastet und überfordert. Wenn Mängel bei LehrerInnen festgestellt werden, dann sollen daher die folgenden Mechanismen greifen: Qualifizierungsmaßnahmen, Bewertungen der LehrerInnen und Unterstützungsmaßnahmen. Sollten diese Maßnahmen zu keiner Verbesserung führen, kann es bis zum Ausschluss vom LehrerInnenberuf kommen.

2.2 Die Jusos fordern die generelle Ausweitung der Unterstützung von Klassen und LehrerInnen durch SchulpsychologInnen und SchulsozialarbeiterInnen.

2.3 Die Jusos fordern, dass ReferendarInnen und PraktikantInnen an Schulen nicht länger als vollwertiger LehrerInnenersatz (z.B. in Krankheitsfällen) ausgenutzt werden! Ein/e Referendar/in ist noch nicht in der Lage, vollständig den Unterricht zu führen.

2.4 Die Jusos fordern ein allgemein geltendes, einheitliches und transparentes Benotungssystem für Leistungsnachweise der SchülerInnen! Die Bewertung von Arbeiten, Tests, GFS oder Oberstufenklausuren unterliegen oft unterschiedlichen Kriterien, was den LehrerInnen die Benotung unnötig erschwert. Durch diese Maßnahme vereinfachen wir die Benotungsprozedur für LehrerInnen und machen die Notengebung für SchülerInnen transparenter.


3. Hochschule
3.1 Wir fordern die Abschaffung der Universitätsräte und wollen den Senat als viertelparitätisch besetztes und höchstes beschlussfassendes Gremium an der Universität.

3.2 Die Jusos fordern verpflichtende Kurse für Lehrende in Didaktik und Pädagogik! Allzu häufig haben Studierende den Eindruck, dass Lehrende nicht gut auf ihre Veranstaltungen vorbereitet sind oder den zu vermittelnden Stoff nicht an die Studierenden weitergeben können. Dies kritisieren wir, denn die Wissensvermittlung durch die ProfessorInnen ist ein wichtiger Bestandteil des Hochschulstudiums.

Aus diesem Grund fordern wir, dass ProfessorInnen Kurse belegen müssen, die ihnen Kompetenzen im Bereich der Didaktik und Pädagogik vermitteln. Die Teilnahme daran ist verpflichtend. Durch diese Maßnahme garantieren wir in Zukunft qualitativ hochwertige Veranstaltungen für Studierende.