Auswirkungen der Bürgerversicherung regulieren, medizinische Versorgung sicherstellen

Aus SPD Baden-Württemberg
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Wir, die Jusos Baden-Württemberg, stehen für die Bürgerversicherung. Sie ist der entscheidende Schritt zur Reform des Gesundheitssystems und verringert die bestehende Ungleichbehandlung von Patient*innen im jetzigen deutschen Gesundheitssystem.

Es ist eine Tatsache, dass Menschen im Gesundheitsbereich, allen voran Ärzte und Ärztinnen, durch den Wegfall von privaten Krankenkassen in Folge der Bürgerversicherung und den dort versicherten Patient*innen einen beträchtlichen Einkommensverlust hinnehmen müssen. Die Leidtragenden der schwindenden Attraktivität des ländlichen Arztberufs sind letztlich die Patient*innen. Diese Auswirkungen müssen im Rahmen einer Gesundheitsreform berücksichtigt und neutralisiert werden.

Es gilt, gerade die ländliche medizinische Versorgung zu fördern. Vor allem hier entstehen in den nächsten Jahren zunehmende Versorgungslücken. Oft müssen Patient*innen Tage, Wochen oder sogar Monate auf Haus- und Facharzttermine warten. Das ist inakzeptabel! Mehr finanzielle Anreize für Landärzte und -ärztinnen und medizinisch gebildete Angestellte wie beispielsweise Arzthelfer*innen und Krankenpfleger*innen sind anzustreben. Generell sind ärztliche und fachärztliche Honorare auf den Prüfstand zu stellen, da es bei den jährlichen Verhandlungen zum Gesamtvolumen der ärztlichen Leistungen zwischen KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und GKV (Spitzenverband Gesetzlicher Krankenversicherungen) oft zu unverständlichen Differenzen kommt. Eine überproportionale Begünstigung von Facharztgruppen ist nicht hinzunehmen, es sei denn, sie steht im Verhältnis zu einem höheren Investitionsvolumen dieser Facharztgruppe. Langfristig fordern wir bei der Honorierung von niedergelassenen Ärzten einen Übergang von einer Abrechnung pro Fall zu einer Abrechnung pro Leistung.

Wir bekräftigen unsere Forderung nach einem neuen Auswahlverfahren für das Medizinstudium, welches sich weniger an der Abiturnote und mehr nach den individuellen Kompetenzen, bspw. einem zentralisierten Medizinertest orientiert. Durch überhöhte NCs werden lediglich Studierende beziehungsweise Interessierte gezwungen, auf Länder mit niedrigeren Anforderungen wie Österreich oder der Tschechischen Republik auszuweichen. Um weiteren Menschen die Möglichkeit zu geben, ein medizinisches Studium zu absolvieren, sollen Universitäten finanziell gefördert werden. Hierdurch können mehr Studienplätze geschaffen werden.

Des Weiteren ist es wichtig, Alternativen zum konventionellen Versorgungssystem zu entwickeln. So gibt es bereits Modellregionen, in denen medizinische Fachangestellte und beispielsweise Krankenpfleger*innen an Fortbildungen teilnehmen können, um ärztliche Aufgaben ambulant zu übernehmen. Dies kommt vor allem älteren, nicht mobilen Menschen auf dem Land zu Gute. Wir Jusos sind der Meinung, dass diese und weitere Methoden gefördert und verbreitet werden sollten.