Ausländersozialdienste in Baden-Württemberg (OV Offenburg): Unterschied zwischen den Versionen

Aus SPD Baden-Württemberg
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Die Seite wurde neu angelegt: „'''Antragsteller: Ortsverein Offenburg''' '''Empfänger: Landtagsfraktion''' '''Der Landesparteitag hat beschlossen:''' Der Landesparteitag fordert die Land…“)
 
 
Zeile 1: Zeile 1:
 +
'''Landesparteitag 21. und 22. September 2001 in Kehl'''
 +
 +
----
 +
 +
 +
 
'''Antragsteller: Ortsverein Offenburg'''
 
'''Antragsteller: Ortsverein Offenburg'''
  

Aktuelle Version vom 19. Mai 2010, 09:06 Uhr

Landesparteitag 21. und 22. September 2001 in Kehl



Antragsteller: Ortsverein Offenburg

Empfänger: Landtagsfraktion



Der Landesparteitag hat beschlossen:

Der Landesparteitag fordert die Landtagsfraktion auf, initiativ zu werden für das Weiterbestehen und Fortentwickeln der Migrationssozialdienste in Baden-Württemberg.


Begründung:

Probleme der sozialen Integration haben - so paradox dies klingen mag - auch 45 Jahre nach den ersten organisierten Anwerbeaktionen eher zu- als abgenommen. Sich verändern- de wirtschaftliche Bedingungen mit einem harten Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt treffen ausländische Arbeitnehmer härter als viele ihrer deutschen Kollegen.

Eine lang andauernde Arbeitslosigkeit bringt gerade auch ausländischen Familien in finanzielle und soziale Notlagen. Eine restriktive Handhabung des Ausländerrechts durch einzelne Ausländerbehörden, einhergehend mit einer mangelnden aufenthalts- und arbeitserlaubnisrechtlichen Absicherung belastet ausländische Familien psychisch in hohem Maße, ebenso wie eine widersprüchliche und abwehrende Ausländerpolitik. Zunehmende Ausländerfeindlichkeit und alltägliche Diskriminierung verunsichern Migranten und stehen einer positiven Lebensplanung, und somit einer sozialen Integration, entgegen.

Die Migrationsdienste erfüllen hier zum einen eine Anwaltsfunktion bei der Durchsetzung vorhandener Rechte, zum anderen kristalli- siert sich aus den Grundsätzen ihrer Arbeit immer deutlicher die Notwendigkeit der individuellen Beratung heraus.

Besonders dringend ist Sozialarbeit mit der zweiten und dritten Ausländergeneration. Viele Kinder und Jugendliche haben große Schwierigkeiten - obwohl sie die deutsche Sprache gut beherrschen - ihren eigenen Standort zu finden und an psychischer Stabilität zu gewinnen. So stehen sie häufig im Konflikt zwischen den Erwartungen der Eltern und den Erfahrungen, die sie mit deutschen Freunden, in der Schule, am Arbeitsplatz erleben. Hier sind Hilfen notwendig bei Konflikten mit Eltern, die oft kein oder nur gebrochen Deutsch sprechen sowie bei der schwierigen Identitäts- findung zwischen den Kulturen.

Auch die zweite und dritte Generation von Migrantinnen und Migranten kann ihren Weg in unserer Gesellschaft nur finden, wenn man ihr ermöglicht, sich bewusst und aktiv mit ihrem Herkunftsland auseinanderzusetzen.

Die Ausländersozialdienste können hier die notwendingen Angebote entwickeln und sie entsprechend anbieten.

Das Sozialstaatsprinzip nach Artikel 20, Absatz 1 des Grundgesetzes, verpflichtet den Staat, eine angemessene soziale Absicherung und Versorgung seiner Einwohner sicherzustellen. Ausländersozialdienste erfüllen in diesem Sinne eine wichtige gesellschafts- und sozialpolitische Funktion und sind deshalb auch als solche durch die öffentliche Hand zu unterstützen.

Das Land Baden-Württemberg darf sich somit nicht aus der Verantwortung ziehen, indem es durch Mittelkürzungen versucht, die Ausländersozialdienste abzubauen.